Sehr aufmerksam

Predigt zum Nachlesen von P. Thomas Hollweck SJ

Symbol

Sehr aufmerksam von Ihnen! Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit! – Solche Sätze hören oder sagen wir vielleicht manchmal im Alltag. Jemand hält uns die Tür auf. Jemand überrascht uns zum Geburtstag mit einem kleinen Geschenk. In kleinen und in großen Dingen: Aufmerksamkeit – Achtsamkeit ist etwas Schönes. Sie hat etwas Erfreuliches, auch etwas Belebendes, vielleicht sogar Ermutigendes. Wir können darin Wertschätzung spüren, Achtung vor unserer Person. – Meistens zumindest.

Denn es gibt auch eine dunkle, komische Form der Aufmerksamkeit. Sie begegnet uns heute gleich am Anfang des Evangeliums: „Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau." – Da sind offensichtlich ein paar Leute, die sehr aufmerksam schauen, was er sagt und wie er sich verhält. Es ist eine Aufmerksamkeit nicht aus Wertschätzung, sondern eher aus Skepsis oder Gegnerschaft heraus. Sie kommt von oben herab: Wir wissen, was richtig und falsch ist. Jetzt schauen wir mal, wie es bei dem da steht. „Observabant" heißt es in der lateinischen Bibelübersetzung. Sie observierten ihn. Menschen begegnen sich so, die sich nicht mögen, einander nicht trauen.

Von oben herab – oder eher von unten. Unterste Plätze – oder Ehrenplätze. Auch dieses Thema steht mit dem der Aufmerksamkeit in Verbindung. Jesus bringt das Beispiel einer Hochzeit, wo manche sich gleich die Ehrenplätze suchen. Ich lege als Beispiel eine Oskarverleihung dazu oder einen Neujahrsempfang. In der ersten Reihe sitzen natürlich die berühmtesten Schauspieler:innen, die wichtigsten Politiker:innen. Schon blöd, wenn man ganz hinten sitzen muss oder gar nicht eingeladen ist. – Es scheint für viele recht attraktiv zu sein, ganz vorne dabei zu sein, ganz oben mitzuspielen, viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Vom Grunde her betrachtet ist der Wunsch nach Aufmerksamkeit sehr menschlich. Ein wenig steckt er vermutlich in uns allen als etwas Kostbares. Jemand achtet auf mich – das ist eine schöne Erfahrung. Ein Ehemann wird sich glücklich fühlen, bei seiner Frau den ersten Platz einzunehmen und ihre Aufmerksamkeit privilegiert zu spüren. Eine Ehefrau wird sich glücklich fühlen, bei ihrem Mann den ersten Platz einzunehmen und seine Aufmerksamkeit privilegiert zu spüren. Kinder haben hoffentlich das große Glück, von ihren Eltern viel Aufmerksamkeit zu bekommen und bei ihnen an erster Stelle zu stehen. Wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben, dann geht das mit der Aufmerksamkeit und einem ersten Platz ganz leicht und wie selbstverständlich. Aufmerksamkeit als etwas Schönes, Erfrischendes, Belebendes.

Natürlich brauchen auch die Dinge des Alltags, meine Aufgaben, die Wohnung, aktuelle Entwicklungen in der Welt, ... alles braucht Aufmerksamkeit. Und doch: Wie steht es mit meiner Aufmerksamkeit für Menschen .... und für Gottes Gegenwart? Welchen Platz nimmt Gottes Gegenwart ein? Ehrenplatz oder eher weit hinten?

Vielleicht dürfen wir manchmal – wie Jesus im Evangelium – die Platzverteilung etwas durcheinanderwirbeln. Vielleicht gibt es Tage, wo Gottes-Liebe nochmal etwas mehr Platz brauchen kann und wir sagen – fast wie frisch verliebt: „Mein Freund, rück weiter hinauf!"

Wir als glaubende Menschen sind Gottes Volk, sind Kirche. Wie schön ist es, wenn wir eine aufmerksame, achtsame Kirche sind, nicht im observierenden Sinn, sondern im schönen Sinn des Wortes, belebend, erfrischend, ermutigend, auf Augenhöhe liebevoll aufmerksam.

Sehr gern schließe ich darum heute mit diesem Satz: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! – Amen

 

P. Thomas Hollweck SJ


Bild: Denise Jans via unsplash.com

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