Eucharistie - für Menschen mit Tiefgang

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

„Kann denn aus Nazaret etwas Gutes kommen?" (Joh 1,46) So wird einmal über Jesus gemauschelt. Jesu Heimat, das „heidnische Galiläa" (Mt 4,15), wie es an anderer Stelle im Neuen Testament heißt, das Völkergemisch des Nordens, war Jerusalem, dem orthodoxen Süden, der im Tempel über kultische Reinheit wachte, einfach suspekt! Die Samaríter, auch so ein integrationsfreudiges Völkchen des Nordens, die Samaríter durften nach dem babylonischen Exil nicht einmal beim Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels mithelfen (Esra 4,3), für so stark vom wahren Glauben abgefallen hielt man sie in Jerusalem!
Also, das heutige Evangelium spielt aus Jerusalemer Sicht - und Jesus ist auf dem Weg dorthin - in einem besonders verruchten Landstrich, wir hörten: im Grenzgebiet von Samárien und Galiläa. Und vielleicht weil Jesus es wusste, wie es sich anfühlt, wenn einem seine Herkunft um die Ohren fliegt, wählt er in einer seiner schönsten Erzählungen einen Samaríter als gutes Vorbild und durchbricht das Klischee. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, ob Kirchgänger und Kirchenferne, wer kennt es nicht, als Orientierungshilfe für Barmherzigkeit, für Nächstenliebe!

Und im heute gehörten Evangelium ist es erneut ein Samaríter, der uns als vorbildlich, als Orientierungshilfe für rechtes Verhalten hingestellt wird: Der Eine von zehn Geheilten, der umkehrt, um sich bei Jesus zu bedanken. Diesen Einen würde ich gerne näher kennenlernen. Er scheint ein interessanter Mensch zu sein. Ein Mensch, von dem ich mit Blick auf das Leben etwas lernen möchte. Er verhält sich mit den andern Kranken korrekt nach den Konventionen, dem Verhaltenskodex der Zeit. Mit genügend Sicherheitsabstand, so wie wir das jetzt auch kennen, bittet er Jesus, den in der Gegend bekanntgewordenen Heiler, um Hilfe: „Meister, hab Erbarmen mit uns!" Und bereitwillig, wie die andern folgt er der Anweisung Jesu: „Geht, zeigt euch den Priestern!"
Jesus verweist an das Heiligtum in Jerusalem. Er stellt das Kultpersonal, die Priester, die Autoritäten, die über Reinheit und Unreinheit, über Quarantäne, Verkehrsbeschränkung zu entscheiden hatten, nicht in Frage. „Geht zum Gesundheitsamt, geht zum Freitesten", könnte man Jesu Worte heute wiedergeben.

Eigentlich ein unspektakuläres Geschehen und in meiner Fantasie stelle ich mir die mögliche Gruppendynamik vor, die aufkommt, wenn die noch Erkrankten der Anordnung Jesus folgen, sich auf den Weg machen: Ein paar murren vielleicht enttäuscht, dass sie sich schon etwas mehr von diesem Meister erwartet hätten, als diese nüchternen Worte! Andere sind zufrieden, dass der Meister nicht mehr wollte, einforderte, z.B. an Geld oder an Schuldeingeständnissen, wo man sich angesteckt habe oder an Besserungsvorsätzen, in Zukunft vorsichtiger mit der eigenen Gesundheit zu sein. Bis sie merken, dass sie wirklich auf einem Heilungsweg sind und Schritt für Schritt dem ersehnten Ziel, Gesundheit und uneingeschränkter Lebensqualität, Gemeinschaft, Normalität näher kommen. Lagen sie sich da auch mal kurz in den Armen, erleichtert lachend? Wurde vielleicht sogar ein Laufwettbewerb daraus: Wer kommt eher am Tempel an, um schneller den Stempel zu bekommen und nach all dem aufgenötigten Verzicht den Nachholbedarf an Leben stillen zu können. Gab es vielleicht auch ganz Clevere, die rückblickend wussten, welcher „Fuchs" dieser Meister war, der mit einem Blick sah, dass sie, dieses Grüppchen Kranker, bereits über den Berg sind und ihre Genesung nur noch eine Frage der Zeit war.

Ich will hier die Gruppe verlassen, denn lernen möchte ich von dem Einen der umkehrt, weil er ein Mensch mit Tiefgang zu sein scheint. Er ist der Einzige, der rückblickend erkennt, dass die Begegnung mit dem Göttlichen bereits stattgefunden hat. Er lotet über das, was ihm auf dem Weg geschieht, die Begegnung mit Jesus neu aus und weiß, dass er nicht irgendeinem Meister, einem Lehrer, einem Aufseher, Vorsteher - alles Möglichkeiten, wie man das griechische Originalwort übersetzen kann - begegnet ist, sondern Gott selbst!

Er erkennt den göttlichen Glanz auf dem Angesicht Jesu und reagiert dementsprechend: Er sucht Jesus erneut, fällt ihm zu Füßen und verbirgt sein eigenes Angesicht, wie es Gottesoffenbarungen gebieten. Er feiert Gottesdienst mit Lobliedern und Danksagung und im Griechischen ist für seine Danksagung auf das Wort angespielt, das uns hier zusammenführt: Eucharistie. „Er warf sich auf das Angesicht ... und dankte Jesus." Da steht eucharisteo.

Der dankbare Samaríter, einer, der der Tiefendimension von Leben gewahr wird, der Gottesbegegnung erahnt, wo andere nur Alltägliches vermuten. Eucharistie, einen Sensus für die geheimnisvollen Zusammenhänge des Lebens haben, Tiefgang entwickeln, Göttliches, Heilsames nicht übergehen, sondern es mit Lob und Dank anerkennen, das möchte ich von dem dankbaren Samaríter lernen!

Die Eingangsfrage abgewandelt gestellt, mein Resümee: „Kann denn aus Samárien etwas Gutes kommen?"
Ja, sogar ein Doppeltes, ein Feingespür für Nächsten- ... und für Gottesliebe.
Wissen, wann man helfen, anpacken muss ... und wissen, wann es innezuhalten gilt, um Gott die Ehre zu geben, Gottesdienst zu feiern. Es ist mein Wunsch an unsere Zusammenkunft, an diese Feier, dass sie uns, dass sie Menschen mit Tiefgang zusammenführt. Menschen, die um die geheimnisvollen Zusammenhänge, um die göttliche Präsenz in ihrem Leben wissen, sie nicht übergehen, sondern sie dankbar feiern wollen. - Amen.

 


Bild: P. Bernhard Heindl SJ

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