Nicht nachlassen

Predigt zum Nachlesen von P. Bruno Niederbacher SJ

Symbol

Die Texte des heutigen Sonntags (1) drücken eine Erfahrung aus, (2) sie begegnen einem Zweifel und (3) ermutigen zum Durchhalten.

Erstens, sie drücken eine Erfahrung aus. Je länger der Kampf gegen den Aggressor Amalek andauert, desto müder werden die Arme des betenden Mose (Ex 17,8-13). Er muss gestützt werden, damit er durchhält. Ich erlebe es an mir selbst: Ich nehme mir vor, es im nächsten Jahr besser zu machen, mehr Ruhe zu suchen, mehr zu beten, mehr Kultur zu genießen, dreimal pro Woche joggen zu gehen... aber im Trubel des Geschehens lasse ich schnell nach, meine guten Vorsätze verdunsten in der Hitze der täglichen Gefechte. Ich erlebe es auch in der Gesellschaft: Am Beginn des Krieges wurden viele Friedensgebete gehalten, viel Unterstützung für Flüchtlinge organisiert, aber nach mehr als sieben Monaten geht die Kraft aus, schwindet die Hoffnung und steigt vielleicht die Frage auf: Hat dieses Beten überhaupt einen Sinn?

Das ist das zweite: Es ist der Zweifel, ob das Gebet etwas bewirkt, ob Gott schläft, ob wir in ein Dunkel hineinrufen, das in den endlosen Weiten des Universums verhallt. Der Psalm 121 will diesem Zweifel begegnen, wenn es heißt: „Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht... Er behütet dein Leben." Und auch Jesus will diesem Zweifel begegnen mit einem typischen Um-Wieviel-Mehr-Gleichnis (Lk 18,1-8): Wenn schon dieser ungerechte Richter, dem das Schicksal der Witwe schnurzegal ist, ihr hilft, um wieviel mehr wird der gute und gerechte Gott, der für uns Sorge trägt, bereit sein zu helfen.

Das dritte: Die Ermutigung zum Durchhalten. Blicken wir noch einmal auf die Lesung. Da haben wir zwei Dinge zugleich: Die Israeliten tun alles, was in ihrer menschlichen Macht steht, um das Übel zu bekämpfen. Zugleich betet Mose unaufhörlich auf dem Berg. Das ist ein Bild für mich: Ich tue alles, was in meiner menschlichen Macht steht, und zugleich lege ich es in Gottes Hände. Es ist das alte jesuitische Diktum: Bete, als hänge alles von Gott ab; handle, als hänge alles von dir ab. Eine ansprechende Maxime.

Aber was tun in aussichtslosen Situationen? Mir fällt eine Erzählung von Eric Emmanuel Schmitt ein: Oskar und die Dame in Rosa. Der zehnjährige Oskar hat Leukämie. Er weiß, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Seine Eltern sind Feiglinge, sagt er, denn sie meiden das Thema Tod. Auch für die Ärzte und Pflegerinnen ist Oskar eine Enttäuschung. Er ist ein schlechter Kranker, einer, der trotz aller Medizin nicht mehr gesund wird. Nur jene Frau, die er „Oma Rosa" nennt, hat den Mut, mit Oskar über seine Fragen nachzudenken. Sie ermutigt ihn, Briefe an Gott zu schreiben. Und er tut es. Gerade da, wo es aussichtslos für ihn wird, beginnt seine Geschichte mit Gott, seine täglichen Dialoge. Er merkt, dass Gott nicht der Weihnachtsmann ist, der auf Bitte Spielzeuge und Bonbons bringt, wohl aber, dass man ihn um geistige Dinge bitten kann: um Mut, Geduld, Erklärungen... Oskar teilt Gott nun seine täglichen Wünsche mit. Er sagt Gott auch, wenn er ihn lieb hat, und er sagt ihm, wenn er ihn nicht mehr lieb hat. Und am Tag seines Todes findet man auf seinem Nachtkästchen eine Karte, auf der steht: „Nur der liebe Gott darf mich wecken."

Beten in aussichtlosen Situationen. Auch Jesus bleibt bis zum bitteren Schluss in Kontakt mit Gott. Er hört nicht auf, mit Gott zu sprechen. Seine letzten Worte am Kreuz sind legendär. Selbst sein Gefühl der Gottverlassenheit wird ein Gebet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." Der Vater bleibt sein Gesprächspartner.

So möchte auch ich in all meinen Lebenslagen den Gebetsfaden zu Gott nicht abreißen lassen. Ich möchte alles zu Gebet machen. Wie Rumpelstilzchen (im Märchen) Stroh zu Gold macht, so möchte ich das Stroh meines Lebens zu Gebet machen: das Alltägliche und Banale, meine Armseligkeiten, meine scheinbaren Ausweglosigkeiten. Alles soll Platz haben in meinen leisen Dialogen mit der Ewigkeit.

„In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern [...], dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten." (Lk 18,1)

 

 P. Bruno Niederbacher SJ


Bild: Umit Bulut via unsplash.com


 

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