Ich erhebe meinen Augen zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?

Predigt zum Nachlesen von Prof. Anni Findl-Ludescher, 05. März 2023

Symbol

Mt 17,1-9 Verklärung

Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? – Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. (Ps 121)
Was wir jetzt im Evangelium gehört haben, ist eine Geschichte von Hilfe, die überraschend und wunderbar kommt. Hilfe vom Himmel in schwerer Zeit.
Jesus und seine Jünger befinden sich gewissermaßen in der Zielkurve: alles verdichtet sich. Unmittelbar zuvor hat Jesus zum ersten Mal seinen Jüngern gesagt, dass sie jetzt nach Jerusalem gehen werden, dass er dort leiden wird und getötet werden wird und auferweckt.
Jesus hat vermutlich für sich selbst entschieden und angenommen, dass er sich dem Konflikt mit den religiösen Autoritäten stellen wird. Dass das mit dem Todesurteil enden kann, ist erwartbar. Er spricht mit seinen Jüngern darüber – aber von ihnen bekommt er kaum Verständnis, keine Unterstützung. – Die Hilfe kommt anderswo her.
„Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn..."
Vielleicht hat Jesus so gebetet – mit den Worten aus Psalm 121.
Was jetzt geschieht ist jedenfalls außerordentlich, dem Alltag des Lebens und auch dem Alltag des Glaubens enthoben.
Jesus wird verwandelt, wird eingetaucht in Licht, in göttliches Licht – und drei seiner Jünger sind dabei. Jesus leuchtet von innen heraus und er spricht mit Toten, mit großen Heiligen des Volkes Israel. Bestätigt wird diese außerordentliche Erfahrung durch das Erklingen der Stimme Gottes: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hörn."
Wenn ich Ihnen jetzt die Frage stelle: was ist typisch für die christliche Religion, was ist typisch für einen Christen, eine Christin, die Jesus nachfolgt? Ich würde sagen: das Leben nach seinem Wort, nach seiner Botschaft ausrichten, Nächstenliebe leben. Typisch für einen Christen ist es nicht unbedingt, Entrückungserfahrungen zu machen. Explizit mystische Erfahrungen.
Diese Erzählung heute berichtet von einer solchen Entrückungserfahrung. Im Vergleich zu den Heilungen, Gleichnissen, Reden etc., ist das selten in der Überlieferung, aber es kommt doch vor. Jesus nachfolgen, das heißt Nächstenliebe leben, mich nach seinem Wort ausrichten – und es heißt auch: Nahrung bekommen, Hilfe, Seelennahrung. Auf vielfältige Weise werden wir im Glauben genährt: im stillen Gebet, in der Eucharistiefeier, beim Erleben von Musik – und manchmal auch durch mystische Erfahrungen. Karl Rahner hat uns gelehrt, bei „mystischen Erfahrungen" nicht in erster Linie an ganz außergewöhnliche Erfahrungen zu denken, sondern vor allem an alltägliche wie z.B.: die Erfahrung, angerührt oder angesprochen zu sein; das Gefühl, dass die Zeit still steht, dass ich etwas plötzlich wirklich verstanden habe; das Versinken in einem Bild, in einer Liedzeile, ...
Aber es gibt eben auch diese außergewöhnlichen mystischen Erfahrungen, die in besonderer Weise Seelennahrung sind für ausgewählte Situationen sind, für seltene Momente.
Es ist nicht so leicht, darüber zu sprechen.
Manches lässt sich aus dem heutigen Evangelium über solche besonderen mystischen Erfahrungen lernen / festhalten
- Man kann sie nicht selbst herbeiführen und es gibt kein Anrecht darauf. Die Jünger erarbeiten sich diese Verklärungs-Erfahrung nicht.
- Wer dafür ausgewählt ist, ist nicht unbedingt der oder die Beste. Wir wissen nicht, weshalb Jesus diese Drei ausgewählt hat -weil er sie besonders gern hatte? Weil er glaubt, dass sie diese Seelenstärkung besonders notwendig haben?
- Diese Erfahrung ist Nahrung auf einem Weg, der besonders herausfordernd ist.
- Diese mystischen Erfahrungen werden nicht hinausposaunt.

Jesus nachfolgen meint, in seiner Spur zu gehen, mich herausfordern lassen zur Umkehr und es heißt auch vertrauen. Vertrauen darauf, dass ich genährt werde auf diesem Weg, Seelennahrung bekomme – für den Alltag und vielleicht auch für besondere Situationen.
Woher kommt mir Hilfe? Unsere Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Unsere Hilfe kommt vom Herrn, der unsere Seele nährt.
Amen

Prof. Anna Findl-Ludescher


Bild: Bernhard Heindl SJ

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