Peanuts und Paulus

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, Osternacht 2023

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Kennen Sie die Peanuts, diesen Comic über eine kleine Kindertruppe, die gemeinsam viel erlebt und humorvoll und tiefsinnig zugleich über das Leben nachdenkt? Für das, was ich Ihnen erzählen möchte, müssen Sie nur zwei Figuren von den Peanuts kennen: Charlie Brown, den kleinen tragischen Held oder äußerst gutmütigen Pechvogel der Truppe ... und Snoopy, den Hund von Charly Brown. Snoopy verhält sich nur selten artgerecht. Meistens liegt er auf dem Dach seiner Hundehütte und geht philosophischen Gedanken nach, während er auf sein Futter wartet, das Charlie Brown ihm treu bringt.

Nun, vor ein paar Tagen, mein Handy zeigt mir eine neue Whatsapp-Nachricht von einer Freundin an. Ich öffne die App und schaue auf ein Bild, das mich schmunzeln lässt: Charly Brown und Snoopy sitzen auf einem Steg an einem See, ... dem Betrachter den Rücken zugewandt, ... und schauen gemeinsam auf das Wasser. Über Charly Brown ist eine Sprechblase, in der steht: „Wir leben nur einmal Snoopy." Und über Snoopy eine Sprechblase: „Falsch! Wir sterben nur einmal. Wir leben jeden Tag!"

Wir leben nur einmal, ein Satz, der sicherlich das Leben würdigen will und als kostbar hervorhebt, aber auch ein Satz, der allem Erlebten eine gewisse Bedeutungsschwere verleiht, dem Leben die Leichtigkeit nimmt. Perspektivenwechsel: Wir sterben nur einmal. Wir leben jeden Tag! Für mich strahlen diese kurzen Sätze Lebenslust und Lebensfreude aus, sie klingen hell und zuversichtlich. Sie wecken eine Neugierde auf das Leben in mir.

Meine Schwester, der ich den kleinen Peanuts-Dialog weitergeleitet habe, antwortet mir umgehend: „Sollte man im Bad aufhängen, damit man es täglich als erstes sieht - Smiley."
Mein Lebensgefühl: Gehe ich jeden Tag auf das Leben zu oder nur unweigerlich auf den Tod? Meine Religion: Fördert sie meine Neugierde auf das Leben ... oder hält sie mir nur bedeutungsschwer meine Endlichkeit vor Augen?

Die Lebensweisheit, die Charlie Brown und Snooby gemeinsam entwickeln und so sympathisch einfach formulieren, für mich hat Paulus im Römerbrief, in der Lesung, die wir jedes Jahr an Ostern hören, einen ähnlichen Blick auf das Leben. Er drückt es etwas komplizierter aus. Paulus sagt: „Wir wurden ja mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod,
 damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln." Meine Vereinfachung: „Wir müssen alle sterben." Paulus: „In der Taufe schon geschehen! Und die neue Welt, die da kommen soll, wirkt bereits in uns!" Oder nochmals der Appell des Apostels im O-Ton: „Wandelt in der Wirklichkeit des neuen Lebens."

Wandelt in der Wirklichkeit des neuen Lebens, eine Aufforderung, eine Ermutigung, ein Satz, der hell klingt und eine Neugierde in mir weckt! Die neue Wirklichkeit in mir wirken lassen, die Gottverbundenheit, die mir die Taufe vergewissert in mir wirken lassen. Tauferneuerung einmal so verstanden: Wie ein Pionier das göttliche Neuland in mir entdecken, das seit meiner Taufe in mir da ist. Mit Blick auf das Leben nicht zum Stubenhocker werden, sondern das weite göttliche Terrain, das schon verborgen in mir da ist, entdecken wollen!

Taufe: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber, wandle in der Wirklichkeit des neuen Lebens! Es gibt genügend Zeitgenossen, die für das Ende nur Schwarz sehen, für mich wird das dem Leben nicht gerecht, dazu ist es mir zu kostbar!

Taufe, Gottverbundenheit: Jetzt schon in der Welt wandeln, die da kommen soll. In dieselbe Richtung weist auch der Auftrag des Engels im leeren Grab an die Frauen und des Auferstandenen selbst: „Geht und sagt meinen Brüdern/Schwestern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen."

Galiläa, wo alles begann, die Heimat der Jünger, ... nichts Neues für sie, ... jeder Stein am Ufer des Sees von Galiläa, jede Welle auf dem See, den Jüngern bekannt. Aber genau dorthin sollen sie gehen und nun, alles mit neuen Augen sehen. Heimkehren und doch in einer neuen Wirklichkeit wandeln. Die Jünger sollen zuhause alles, was sie mit Jesus erlebt haben, noch einmal Revue passieren lassen und so die neue Wirklichkeit, die über Jesus in ihr Leben getreten ist, noch besser verstehen, tiefer erahnen.

Zuhause Neuland betreten, Gottes Wirklichkeit im Bekannten wirken lassen. An Auferstehung glauben, das heißt für mich, neugierig auf das Leben sein, neugierig Ausschau halten, wo der Auferstandene sich in meinem Leben zeigt, wo er mir das Leben, das wahre, das echte, das ersehnte Leben zeigt! An Auferstehung glauben, jeden Tag neu auf Entdeckungsreise gehen, wie ein Leben mit Gott meine Wirklichkeit, meinen Alltag ... wandelt.

Taufe, so unbeschwert wie möglich leben, weil der ewige, unsterbliche, Geborgenheit verheißende Gott schon in mir lebt und wirkt!
Wir leben jeden Tag ... Oder: Göttliches Leben wirkt schon in uns. - Lassen Sie uns Tauferneuerung feiern!


Bild: Sketch mobografy, unsplash

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