Fackel oder Feuerlöscher sein

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 3. Sonntag in der Osterzeit

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

In unserer Hauptniederlassung in Rom, in der Jesuiten-Kurie, steht eine große Ignatius-Statue auf einem Sockel. Nichts Besonderes, das ist zu erwarten an diesem Ort und die Statue ist auch künstlerisch unscheinbar, man könnte unbeachtet an ihr vorbeigehen, wenn da nicht ein amüsantes Detail wäre: Denn auf dem Sockel der Statue steht in großen Buchstaben gut lesbar als Zitat des Hl. Ignatius: „Geht, entflammt alles!" - Und hinter der Statue steht ebenso gut sichtbar an der Wand ein großer Feuerlöscher! Ob das der italienische Brandschutz war ... oder ein witziger Mitbruder, der das im Orden unterdessen berühmte Arrangement geschaffen hat, muss ich offenlassen. Wer es entdeckt, kommt nicht ohne ein Schmunzeln an der Statue vorbei.

„Brannte uns nicht das Herz ..." - So die Emmausjünger in der Rückschau der Begegnung mit dem Auferstandenen. Entflammt, Feuer und Flamme für Gott sein! Erinnern Sie sich an Situationen, in denen Sie Feuer und Flamme für Gott waren? Dazu eine Begebenheit aus meinem Leben: Ich habe während meines Theologiestudiums, noch vor den Eintritt in den Orden, die sog. Großen, die 30-tägigen Exerzitien gemacht. Es war sicherlich nicht die erste Gottesbegegnung, die mich begeisterte, aber dieses spirituelle Übungsprogramm, die geistlichen Übungen des Hl. Ignatius, haben mich wirklich begeistert. Ich meinte damals,  ich war bereits im 8. Semester, ich müsste nochmals anfangen Theologie zu studieren, denn jetzt hätte ich endlich etwas von Gott erfahren, verstanden!

Fackel oder Feuerlöscher sein: Während meine Schwester und mein Schwager mir damals mit Respekt zuhörten, als ich ihnen von meinen Erfahrungen in den Exerzitien erzählte, obwohl sie sicherlich nicht alles verstanden haben und nachvollziehen konnten, war es ein Studienfreund, der damals schon im Kloster war, der den Feuerlöscher entsicherte, indem er mir erwiderte: „Na ja, bewähren muss sich das ja alles im Alltag!" Hm, stimmt und doch empfand ich es als eine nicht stimmige Reaktion auf meine Worte. Begeisterung gelöscht, vorerst keine weitere Brandgefahr!

Glaubensfreude teilen, teilen können, für mich ein wichtiges Kapitel in jedem Glaubensleben! Oft muss ich schmunzelnd an meinen klösterlichen Studienfreund denken, wenn ich in meiner Arbeit Gefahr laufe, den Feuerlöscher zu entsichern. Es kommt vor, dass ich auf Menschen treffe, die Feuer + Flamme für Gott sind. Nicht selten sind es sog. Konvertiten. Also Menschen, die erst spät zum katholischen Glauben gefunden haben. Wiederum nicht selten erleben Konvertiten Menschen, denen der katholische Glaube in die Wiege gelegt wurde, als religiös ausgebrannt und zu wenig begeistert. Sie kommen auf uns, die Wiegenkatholiken, mit einem Elan, mit einer Begeisterung zu, die uns auf Abstand gehen läßt: „Ja, ja, schon gut, mal langsam! Glauben ist eine Langstrecke, ... den Atmen gut einteilen, ja!"

Es ist sonderbar, aber als Seelsorger gibt es einen Reflex in mir, Menschen mit ... viel (zu viel?) Glaubensbegeisterung vor sich selbst schützen zu wollen, vor dem vorzeitigen Ausbrennen, vor einem Verglühen in der Startphase. Ich muss mir jedes Mal neu die Frage stellen, woher kommt dieser Feuerlöscherreflex in mir eigentlich? Warum den Funken nicht springen lassen? Erlebe ich so viel gläubigen Funkenflug in der Welt, dass der Brandschutz mich so schnell in die Pflicht nehmen müsste?! Warum sich nicht neu begeistern lassen?

Sprachfindung für Begeisterung, wie drücke ich Begeisterung, wie drücke ich Glaubensbegeisterung aus? Der stimmigste Glaubensausdruck ist sicherlich die Lebensführung, die Ausstrahlung, aber es braucht auch Wortfindung für den Glauben! Glaubensüberzeugung in ansprechende Worte fassen können, damit die Ohren und Herzen offen bleiben und das Gegenüber nicht innerlich mit dem Gedanken: „Ach, du meine Güte!", auf Abstand geht.

„Brande uns nicht das Herz ..." – Ja, aber die Emmausjünger bekamen eben auch etwas zu hören, das sie entflammte! Fackel oder Feuerlöscher sein, unnötige Brandschutzmaßnahmen in mir abbauen. Mich begeistern lassen, von anderen, von deren Glaubensfreude und natürlich von Gott selbst! Denn ich kann meinen Glauben auch durch einen überzogenen Zweifel auf kleiner Flamme halten. Ich kann jede Glaubenserfahrung, jeden Gotteserweis in meinem Leben mit: „Ja, aber ...", ersticken. „Ja, schon, ...Gott hat mein Gebet erhört, ... ich spürte sein Wirken in meinem Leben, ... aber wäre es auf kurz oder lang nicht ohnehin auf diese Lösung hinausgelaufen? War es nicht nur eine Frage der Zeit, dass die Dinge sich so fügten, Entspannung eintrat?"

Das Ja-Aber-Spiel, die Infragestellung religiöser Erlebnisse ist eine beliebte, eine bekannte Herausforderung Gottes. Verstehen Sie mich richtig, es nicht die Herausforderung Gottes, die ich als ungebührend anmahnen will. Gott hält das aus, aber man kann den Bogen überspannen! Ein Gott, der sagt: „Ich habe mich gezeigt in Deinem Leben, jetzt zeig, sag Du mal, was Du von mir hältst!", den könnte ich gut verstehen. Gott ist ja keine Wunderkerze, die ich nach Bedarf und Belieben anzünde, wie es mir gefällt.

„Brannte uns nicht das Herz ...", ... Fackel oder Feuerlöscher sein. Mein Wunsch und mein Rat: Den Feuerlöscher öfter aus der Hand legen und sich begeistern lassen, auch vom Glaubensausdruck anderer, Fremdbegeisterung nicht zu schnell ablöschen, alle Inspirationsquellen schätzen und für sich nutzen.
Den Feuerlöscher öfter aus der Hand legen ... und das Ja-aber-Spiel aufgeben. Das Ja-aber-Spiel, die erwachsene Variante des kindlichen Warum-Spiels, das auch irgendwann einmal erschöpft, überzogen ist.

„Geht, entflammt alles!" ... und eben nicht: „Seid meine Feuerwehr!" Fackel oder Feuerlöscher sein. Sie können beim Verlassen der Kirche gerne den Feuerlöscher dalassen, das Team der Jesuitenkirche wird ihn sachgerecht für Sie entsorgen:) Amen.


Bild: Kurie SJ

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