Ewiges Leben: Jesus bringt uns Gemeinschaft mit dem Vater

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, 21. Mai 2023

Symbol

Vielleicht kennen sie die humoristische Satire von Ludwig Thoma „Der Münchner im Himmel". Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 auf dem Münchner Hauptbahnhof, wird vom Schlag getroffen und stirbt. Er kommt in den Himmel, wo er von Petrus seinen jenseitigen Namen „Engel Aloisius", eine Harfe und eine Wolke zugeteilt bekommt. Das Frohlocken, das ständige Halleluja-Singen und die ganze Lebensweise im Himmel sind für ihn jedoch äußerst frustrierend, er kann sich damit einfach nicht abfinden. Aloisius rebelliert. Er wird zum himmlischen Problemfall. Was soll man mit ihm tun? Zu guter Letzt darf er als himmlischer Bote der bayerischen Regierung die göttlichen Ratschläge übermitteln. Dabei versumpft er jedoch im Hofbräuhaus bei seinem geliebten Bier und trinkt eine Maß nach der anderen. Dort ist es ja doch am schönsten. Und die bayerische Regierung wartet bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.

Die Geschichte von Thoma ist witzig, aber sie hat doch auch einen ernsten Kern. Ist ein Fortleben nach dem Tod wirklich so erstrebenswert? Könnten wir uns auf ein solches Leben freuen, könnte die Aussicht darauf uns Hoffnung geben? Viele Menschen haben da ihre Zweifel. Ein Leben wie unseres, das nie zu Ende geht, das ist ja eigentlich eine Horrorvorstellung. Nichts Neues, alles kennt man schon, alles wird banal. Auch wenn es keine Krankheit und keinen Tod, keinen Streit und kein Leid mehr geben mag, ein endloser Luxusurlaub in der Karibik kann einen zur Verzweiflung bringen. Und die fromme Variante, eine endlos lange heilige Messe mit Gotteslob und himmlischem Gesang, ist auch nicht besser. Aber ist das wirklich die christliche Vorstellung vom ewigen Leben?

Im heutigen Evangelium haben wir gehört, dass Jesus vom Vater Macht über alle Menschen bekommen hat, damit er ihnen ewiges Leben schenkt. Die Macht Jesu besteht also darin, allen Menschen ewiges Leben zu geben. Dazu ist er gekommen, dazu ist er vom Vater gesandt: Um ewiges Leben zu ermöglichen. Der Begriff des ewigen Lebens – zoe aionios – spielt im Johannesevangelium eine ähnlich wichtige Rolle wie bei den Synoptikern das Reich Gottes. Was ist mit diesem ewigen Leben eigentlich gemeint?

Zunächst dieses: Ewiges Leben ist keine zeitliche Fortsetzung des irdischen Lebens unter anderen Bedingungen. Mit dem Tod vollendet sich unsere Lebensgeschichte, mit dem Tod hört die Zeit auf. Das ewige Leben dauert nicht unendlich lang, sondern es ist vollendetes Leben, Leben in Fülle. Und dieses ewige Leben hat ganz und gar mit Gott zu tun, nur Gott kann dieses Leben schenken. Jesus sagt: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus." Das ewige Leben ist unsere Gemeinschaft mit Gott, die wir nur im Glauben erkennen können. Glauben heißt, sich von Gott geliebt wissen und ganz auf die Gemeinschaft mit ihm vertrauen. Gegen diese Gemeinschaft mit Gott kommt keine Macht der Welt an, nicht einmal der Tod. Und diese Gemeinschaft mit Gott ist durch Jesus Christus vermittelt: Durch sein Wort wird offenbar, dass wir in die Liebe zwischen Vater und Sohn aufgenommen sind, dass wir erfüllt sind vom Heiligen Geist, hineingenommen in den Lebensraum der Dreifaltigkeit. Jesus bringt uns ewiges Leben, weil wir durch ihn Gemeinschaft mit dem Vater haben. Er nimmt uns hinein in seine Beziehung zum Vater, in seine Herrlichkeit. Das ist das ewige Leben.

Gott ist die unbegrenzte Fülle des Seins und aller Vollkommenheit. Nur er hat ewiges Leben. Aber durch Jesus bekommen wir Anteil an diesem Leben. Gott schenkt sich selbst, gibt sich uns hin. Er hält nichts zurück und lässt uns für immer teilhaben an seinem Leben. Dieses Leben übersteigt wie Gott selbst alle Vorstellungen und alles Begreifen. Wir können nur in Gleichnissen davon sprechen. Alle guten irdischen Erfahrungen – Gemeinschaft, Friede, Erfüllung, Verständigung und Gelingen – werden zu schwachen Bildern für die Gemeinschaft mit Gott. Und die negativen Erfahrungen – Leid, Schuld und Tod – haben nicht mehr das letzte Wort. So beginnt das ewige Leben bereits jetzt mit unserem Glauben an Jesus Christus. Einmal wird dieser Glaube in Schauen übergehen und Gott wird „alles in allem" sein.

Ist das Jenseitsvertröstung? Eine entmündigende Beschwichtigung mit dem Eiapopeia vom Himmel, wie Sigmund Freud gemeint hat? Nein, denn das ewige Leben ist ja dieses Leben, das wir jetzt führen, allerdings in seiner vollendeten Gestalt und geborgen in Gott. Im Tod nehmen wir unsere Lebensgeschichte mit all ihren Beziehungen, Erfahrungen und auch Verwundungen geläutert und verklärt mit in die Ewigkeit Gottes. Jeder Augenblick gewinnt dadurch eine ewige Bedeutung, nichts geht verloren. Der Glaube an die Gemeinschaft mit Gott bringt uns erst in das richtige Verhältnis zur Welt und zu uns selbst, er befreit uns von der Macht der Angst um uns selbst und schenkt uns die „Freiheit der Kinder Gottes". In dieser Freiheit muss man irdische Glückserfahrungen nicht mehr vergöttern, sondern kann sie dankbar als Gleichnisse für Gottes Liebe verstehen. Und man muss es nicht mehr verdrängen oder daran verzweifeln, dass alles Glück dieser Welt doch sehr zerbrechlich und vergänglich ist. Diesen Glauben haben wir jedoch nicht als einen sicheren Besitz gleichsam in der Tasche, sondern immer nur unter Anfechtung. Gerade weil sie sich nicht mehr den Mächten und Gewalten dieser Welt unterwerfen müssen, werden Glaubende verfolgt.

Liebe Schwestern und Brüder, was wir sein werden, das ist noch verborgen, manchmal schmerzlich verborgen. Aber auch im Leid können wir uns freuen über das, was uns durch Jesus geschenkt ist: Ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott.

 

P. Robert Deinhammer SJ


Bild: Taylor Van Riper via unsplash.com

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