Mt 28,16-20 (Apg 1,1-11)
Zwei starke biblische Texte.
Zuerst der Anfang der Apostelgeschichte. Jesus wird vor den Augen seiner Freunde emporgehoben, eine Wolke nimmt ihn auf – und alle schauen hinauf zum Himmel. Christi Himmelfahrt.
Und dann das Ende des Matthäus-Evangeliums, fünf Sätze, die letzten Worte Jesu.
Mich faszinieren drei Dinge in diesen Lesungen.
Zuerst: Der weite Blick von oben.
Ich war erst einmal auf dem Hafelekar, das ist der oberste Punkt auf der Nordkette, der mit der Seilbahn erreichbar ist.
Dort oben, ganz beeindruckend: ein Rundblick auf Innsbruck, ins Inntal, ins Karwendel-Gebirge. Der Horizont ist unerwartet groß, man sieht sehr weit in alle Himmelsrichtungen, fast so weit wie ein Tiroler Adler ????.
Diese Weite ist für uns Christinnen und Christen sehr wichtig. Berge sind Orte der Gottesbegegnung, in der Bibel und auch für uns heute. Darum ist es passend, dass auf den Bergen bei uns oft Kreuze aufgestellt sind, genau dort, wo sich Himmel und Erde berühren.
Weite kann man auch geographisch verstehen. In den beiden Kapellen in dieser Kirche, die Ignatius und Franz Xaver geweiht sind, sieht man im Deckenstuck Landkarten – aus Europa und aus Asien. Diese Landkarten wurden 1636 dort angebracht! China, Indien, Japan, die Molukken, 1636!. Es ist so, wie Jesus in der Lesung sagt: „Ihr werdet meine Zeugen sein ... bis an die Grenzen der Erde."
Was wir bei uns selbst kultivieren können, das ist die innere Weite, die Weite unseres Herzens. Wir wollen keine engen Menschen sein. Wir möchten die Weite Jesu sichtbar machen.
Das bedeutet manchmal, dass wir aus unserer Komfortzone hinausgehen – und andere Menschen kennenlernen, andere Meinungen hören, andere Bräuche sehen und darüber staunen. Nicht eng werden, sondern weit denken – und weiter denken, das wäre unser Anspruch.
Dann, mein zweiter Punkt: Jesus gibt uns klare Anweisungen.
„Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe." Die Abfolge ist klar: Freundschaft, Taufe, Lehre. Oder, auf Englisch: belonging, believing, behaving.
Zuerst kommt die Freundschaft mit Jesus. Macht alle Völker (alle!) zu meinen Freunden, zu meinen Jüngern. Das ist schon ein ziemlich universalistisches Vorhaben. Das ist der Blick auf die ganze Welt. Aber eben nicht imperialistisch, sondern: Jesus möchte Freunde haben, Jünger, Nachfolger/innen. Freundschaft mit Jesus: das ist das erste Thema. Dann erst kommt die Taufe, das Leben aus dem Glauben. Und dann, danach, kommt das Befolgen der Lehre Jesu.
In der Grundausbildung als Jesuit ist mir einmal aufgegangen:
Wenn ich mich an Jesus halte, dann habe ich einen festen Punkt – so wie Archimedes einen festen Punkt gesucht hat, von dem aus er die Welt bewegen kann. Wenn ich einigermaßen weiß, wie Jesus denkt, was ihm wichtig ist, wie er tickt: dann kann ich mich ähnlich verhalten – das wäre es, was Christ-Sein meint. Wer einmal die Bedeutung Jesu für sich selbst gespürt hat, der fürchtet sich auch nicht mehr vor Veränderungen in der Kirche. Da hat sich viel verändert – und es wird sich noch viel verändern. Aber Jesus als Freund, der bleibt.
Und schließlich die Zusage Jesu:
„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Das ist wohl eine der wichtigsten Zusagen für die ersten Christinnen und Christen – und auch für uns heute. Jesus sagt uns nicht: Ich bin dann mal weg! Wie ist Jesus da, wie kann ich ihn sehen, spüren? – Das braucht ein bisschen Aufmerksamkeit und Training. Jesus drängt sich nicht auf – und man kann ihn leicht übersehen. Wir Christinnen und Christen begegnen Jesus in den Texten der Bibel. Dann in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie. Da können wir ihn in der Hostie berühren.
Und wir begegnen ihm in anderen Menschen, besonders den Schwierigen und Armen. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan." Das kann man ziemlich wörtlich nehmen. Mir ist Jesus nahe beim Beten, da ist er mein Gesprächspartner. Besonders beim Tagesrückblick, wenn ich ihm erzähle, dass heute Föhn und Vollmond zugleich war ????.
Auf einer ganz tiefen Ebene in unserer Seele ist die Zusage Jesu: „Ich bin mit euch." ein echter Trost. Viele Menschen kämpfen damit, dass sie einsam sind. Sie haben zwar viele Freunde auf Facebook, aber die zwei, drei engsten Freunde fehlen noch. Da dürfen wir auf Jesus verweisen, der immer erreichbar und online ist ????.
Also:
Die christliche Weite, die Freundschaft mit Jesus und dass er mit uns ist: Wenn wir uns darauf einlassen, dann wächst mehr und mehr das Vertrauen ins Leben.
Das wünsche ich uns allen.
Amen.
P. Christian Marte SJ
Bild: Simon Maage via unsplash.com