Der Heilige Geist - Geist der Wahrheit, Geist der Einheit

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, 29. Mai 2023, Pfingstmontag

Symbol

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Gott erfüllt die Herzen der Glaubenden mit dem Heiligen Geist, er schenkt ihnen seine rettende Gegenwart. Aber das tut er nicht nur zu Pfingsten, sondern das tut er immer, zu jeder Zeit. Glauben im christlichen Sinn bedeutet nichts anderes als das „Erfüllt-Sein vom Heiligen Geist". Darum geht es im Glauben: Wir werden aufgenommen in die unendliche Liebe zwischen Vater und Sohn. Diese Liebe ist der Heilige Geist ist. Wir bekommen Anteil am Verhältnis Jesu zum Vater. Nur so ist Gemeinschaft mit Gott möglich. Aber dann wohnt der Geist Jesu wirklich in uns und wird immer wieder neu offenbar im Wort und in den Sakramenten. Auch hier und heute. So wie wir hier und heute da sind, sind wir erfüllt vom Heiligen Geist.

Der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit und der Geist der Einheit, das wird in den heutigen Bibellesungen deutlich. Auf diese beiden Aspekte möchte ich ein wenig genauer eingehen.

Zunächst der Geist der Wahrheit: Der Geist führt uns in die Wahrheit, die von Gott kommt, er wirkt in uns, wenn wir beginnen, die christliche Botschaft zu verstehen, er wirkt in uns, wenn wir die Welt und unser Leben im Licht des Glaubens deuten können. Der Glaube, das „Sich-von Gott-geliebt-Wissen", ist keine Philosophie oder irgendeine Weltanschauung, die wir uns selber zurechtlegen, sondern er ist Gottes Werk in uns. Niemand kann an Jesus Christus als den Sohn Gottes aus eigener Kraft glauben, sondern nur im Heiligen Geist. Und dieser Geist wird uns durch Jesus vermittelt, durch sein Wort, durch seine Botschaft.

Der Geist der Wahrheit ist es, der alles aufdeckt. Wahrheit wird oft verdrängt. Wahrheit kann oft wehtun. Wahrheit kann man anderen um die Ohren schlagen. Man kann sie als Waffe benutzen. Aber hier es geht um eine Wahrheit, die unendlich tröstlich ist: Geschehe, was auch immer geschehen mag, Gott ist bei mir, er schenkt sich mir in seiner ganzen Fülle, nichts kann mich von ihm trennen. Was könnte tröstlicher sein? Und so ist der Geist der Wahrheit auch unser Beistand, zu dem wir immer flüchten können, gerade dann, wenn es schwer wird, wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn wir mit unseren eigenen Kräften am Ende sind, wenn sich alles gegen uns wendet, wenn wir im Zweifel zu versinken drohen. Der Beistand lässt uns auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen, er gibt uns die Gewissheit, dass wir Kinder Gottes sind, dass wir leben können in der Freiheit der Kinder Gottes, er ruft in uns „Abba, Vater!" Und so gibt er uns auch Mut, Lebensmut, Bekennermut. In der Kraft des Heiligen Geistes können wir Zeugen und Zeuginnen der Botschaft Jesu sein. In der Kraft des Heiligen Geistes müssen wir nicht mehr unter der Knechtschaft der Angst leben, sondern können uns für das Gute einsetzen, auch wenn uns das etwas kostet, auch wenn wir Widerspruch erfahren, so wie Jesus.

Der Geist der Wahrheit. Und der Geist der Einheit. Schon im Leben der Dreifaltigkeit verbindet der Heilige Geist den Vater und den Sohn. Er ist die gegenseitige Liebe zwischen ihnen, sozusagen das „Wir" Gottes in Person. Und so verbindet er auch die Glaubenden zu einem „Wir". Wie von der „Menschwerdung des Sohnes" könnte man auch von der „Kirchewerdung des Heiligen Geistes" sprechen. Genau das feiern wir zu Pfingsten: Die Geburt der Kirche durch den Heiligen Geist. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sprache werden durch den Geist zu einer Einheit geführt, die man irdisch nicht erklären kann. Paulus versteht die Kirche als den Leib Christi. Niemand steht einsam und allein vor Gott, sondern immer nur zusammen mit Jesus und den anderen Gläubigen, verbunden im Heiligen Geist. Der Geist ermöglicht Verständigung und wahre Einheit im Glauben, Einheit in der Wahrheit. So sollte es in der Kirche sein. Dass es leider nicht immer so ist, wissen wir nur allzu gut.

Der Geist der Einheit. Das bedeutet auch: Wo immer wahre Gemeinschaft und Verständigung und Liebe unter den Menschen geschieht, da ist bereits in verborgener Weise der Heilige Geist am Werk. Und dieser Geist weht, wo er will, man kann ihn nicht einfangen, man kann ihn nicht domestizieren, man kann ihn nicht auf ein Gebiet begrenzen. Er ist wie ein Feuer, das sich ausbreitet und andere Feuer entzündet.

Lassen wir uns neu von diesem Feuer entzünden, lassen wir wenigstens der Sehnsucht danach Raum! Wie zu jeder Zeit braucht es auch heute ein neues Pfingsten, damit die Kirche wirklich Kirche sein kann und ihrem Auftrag gerecht wird, sich nicht in Geistlosigkeit verliert, sondern Gottes Wort bezeugt. Wir alle sind Teil dieser Kirche, Kinder Gottes, Brüder und Schwestern Jesu, wir alle können uns vom Geist leiten lassen, vom Geist der Wahrheit, vom Geist der Einheit, von Gottes maßloser Liebe. Amen.

P. Robert Deinhammer SJ


Bild: Darstellung des Heiligen Geistes auf der Kanzel in der Jesuitenkirche

 

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