Dreifaltigkeitssonntag - Bekenntnistreue

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, Dreifaltigkeitssonntag

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Das Glaubenszeugnis eines jungen Mannes, dass ich vor Jahren in der Hedwigs-Kathedrale in Berlin hörte, ist mir immer noch im Gedächtnis. Für die zentrale Aufnahmefeier aller, die im Erwachsenenalter katholisch werden wollen, sei es über Taufe oder Konversion, wünschte sich der Erzbischof jedes Jahr 2, 3 Glaubenszeugnisse. Keine leichte Gattung! Manchmal kamen die Zeugnisse über Bedankungen nicht hinaus, manchmal waren sie so fromm, dass man als Hörer schwer anknüpfen konnte.

Dieser junge Mann erzählte, er sei ein begeisterter Motorradfahrer und habe sich seinen Traum von einer Afrika-Motorradtour erfüllt. Beim Grenzübertritt von einem afrikanischen Land in das nächste musste er meist komplizierte Einreisepapier ausfüllen. An einem Grenzübergang diskutierten die Grenzbeamten etwas abseits lange über seinen Antrag, bis einer mit den Papieren in der Hand zu ihm zurückkam und fragte, welche Religion das sei: „o.B."? Der junge Mann hatte bei Religion wahrheitsgemäß: „Ohne Bekenntnis" angegeben, in der ihm bekannten Abkürzung o.B.

Er erklärte es dem Beamten, der ihm kopfschüttelnd erwiderte, er müsse doch irgendeine Religion haben, o.B. gäbe es in seinem Land jedenfalls nicht! Der Beamte ging zu seinen Kollegen zurück und erklärte ihnen den sonderbaren Sachverhalt. Nun schüttelte die ganze Truppe der Zöllner mit dem Kopf, bis sie schließlich zu lachen begannen, ihn durchwinkten und zuriefen, wie das denn gehen solle, keine Religion zu haben? Der junge Mann dachte dann tagelang auf seinem Motorrad darüber nach, was sein Bekenntnis sei, über kurze Statements hinaus, was er gut und weniger gut finde? Und warum er Religion für sich ausschließe? Damals!

Ein Bekenntnis haben, an das man glaubt, das einem wichtig ist. Ein Bekenntnis haben, das einem Orientierung gibt, zu dem man steht, für das man einsteht und das einem in die Pflicht nimmt, nehmen darf, weil man davon überzeugt ist, dass es zu einem aufrichtigen, erfüllten Leben hilft. Oder über den Sinngehalt von Religion ausgedrückt, denn Religion meint, die existentiellen Fragen, mit Sorgfalt bedenken und eine Rückbindung an Höheres haben, die mir Halt gibt.

Vielleicht die schönste und wichtigste Bekenntnisaussage unserer Religion haben wir im Evangelium gehört:
"Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird."
Wir sind eine Heilsveranstaltung, wir glauben an eine höhere Macht, die unwahrscheinlich viel investiert, damit wir glücken können.
Und wie verstehe ich den zweiten Teil: 
"Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat."
Leben ist kurz! Gott gibt uns in Jesus Christus ein Vorbild, um schneller zum wahren, wahrhaftigen Menschsein zu finden. Jesus Christus, das Vorbild, um zielsicher zu dem zu finden, was Menschsein für Gott bedeutet, ausmacht.
Und: Die Verweigerung, die Ablehnung des geoffenbarten Vorbilds, deutet unser Glaube als Selbstbestrafung, Selbstverurteilung.

Die Offenbarung des Sohnes, das geglückte Bild für Menschsein, Inkarnation ist unser Alleinstellungsmerkmal im sinnstiftenden Angebot der Weltreligionen, hinter das wir nicht zurückgehen dürfen, das wir nicht relativieren sollten. Jesus Christus ist nicht nur ein vorbildlicher Mensch, in der Reihe von anderen vorbildlichen Menschen, er ist das Vorbild für Menschsein, der Mensch nach dem Bild Gottes.

Vater-Aussagen, Ursprungserzählungen - wo kommen wir her, wo gehen wir hin? -, Geist-Aussagen, Gottes bleibende Gegenwartsnähe in Welt und Zeit, beides teilen wir weitengehend mit den monotheistischen Religionen. Die Sohn-Aussagen sind unser unverwechselbarer Wesenskern und immer wieder Stein des Anstoßes im interreligiösen Dialog.

Wir sind eine Heilsveranstaltung. Nach meinem Empfinden, ist das nach innen genauso zu behaupten wie nach außen. Es muss uns um Heilszusagen gehen und hier sehe ich keine Inflation am Werk, wenn Kirche segnet, wo immer es möglich ist, Gutes zuspricht im Namen Gottes, benedicere. Wir sind eine Heilsveranstaltung, die sich an Jesus Christus orientiert. Für mich kann ich sagen, eine Inspirationsvorlage, die mir noch nicht langweilig geworden ist. Das Neue Testament hält immer noch Überraschungen für mich bereit! Sicherlich auch deshalb, weil ich es nie als der Selbe zur Hand nehme, sondern mich als Leser verändere. Jesus Christus, er stellt meine Vorurteile immer wieder in Frage, mit seiner Hilfe versuche ich Diskrepanzen in meinem Leben, die wenig oder gar nicht mit Gott einher gehen, zu korrigieren. Jesus Christus, ist es, der mich zum Guten motiviert, der mich zu Gottes- und Nächstenliebe anspornt, anleitet.

Eine Jesuitenkirche und ihr Patrozinium. Mit dem Bekenntnis zum dreifaltigen Gott lässt sich Existenzielles sorgfältig bedenken und profund beantworten. Unser Credo ist diskursfähig, mit seiner Hilfe lassen sich auch im 21. Jahrhundert sinnstiftende Antworten auf wiederkehrende und aktuelle Fragen geben, die Menschheit stellt. Aber für den gelebten Alltag, ist es unser Alleinstellungsmerkmal, das mir schnell Orientierung gibt: Was sagt Jesus, was hätte er getan? Pedro Arrupe, ein Jesuitengeneral, 1991 verstorben, erfährt im Orden immer noch große Verehrung. In einem Interview antwortete er auf die Frage, was Jesus Christus ihm bedeute, spontan und mit Begeisterung: „Alles! Nehmen Sie Christus aus meinem Leben, und alles wird zusammenstürzen, wie ein Körper, dem man das Skelett, den Kopf und das Herz wegnimmt."

Bekenntnisfestigkeit, Bekenntnistreue meint für mich nicht primär ein Credo auswendig aufsagen können. Das ist wünschenswert, aber wichtiger ist mir:
Kenne ich den geoffenbarten Sohn Gottes ausreichend gut oder sollte ich wieder einmal nachlesen in den Evangelien? - Amen.

 


Bild: Bernhard Heindl SJ

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