L 1: Hos 6,3–6
APs: Ps 50
L 2: Röm 4,18–25
Ev: Mt 9,9–13
Geben ist seliger denn nehmen. Wir alle kennen diese Redewendung und wir haben ein Gefühl für die Wahrheit, die sie ausdrückt. Viele haben das erfahren: dass es glücklich macht, wenn wir anderen helfen, wenn wir etwas geben – z.B. wenn wir Nichten oder Neffen oder Enkelkindern Zeit schenken etwa bei einer Wanderung durch die Geisterklamm o.ä. Es gibt ein Glück des Gebens. Vielleicht fällt ihnen direkt eine eigene Erfahrung ein, wo sie das erlebt haben.
Im Psalm der heutigen Liturgie hörten wir einen weiteren Satz über das Geben: „Bring Gott als Opfer dein Lob," so hieß es. In der gesungenen Form: Bring Gott dein Lob als Opfer. Können wir dieses religiöse „Bringen" und Geben ähnlich verstehen, wie das menschliche Geben? Können wir Menschen selig werden, wenn wir Gott etwas geben?
Was könnten wir Gott geben? Ein Almosen, eine Hilfe beim Umzug einer Bekannten? Manche Raucher sagen, sie bringen ein Rauchopfer dar. Das habe ich neulich auch bei einer Wallfahrt mit Mitbrüdern erlebt: der verschmitzte Blick und dann der Satz vom Rauchopfer zur Ehren Gottes.
In den alttestamentlichen Lesungen geht es tatsächlich um Rauch- und Brandopfer. Die traurige Nachricht des Hosea für die Raucher lautet natürlich: Gott will keine solchen Opfer: „Liebe will ich nicht Schlachtopfer" heißt es dort; und mehr noch, Gotteserkenntnis statt Brandopfer. Hesed, das in der Einheitsübersetzung mit Liebe übertragen wird, heißt grundsätzlich: Treue, Verbundenheit, Liebe, Huld.
Das alttestamentliche Opfer war wie eine besondere Gabe für Jahwe. Es bedeutete einen Verzicht auf eigenen Nutzen. Beim Speiseopfer und beim Schlachtopfer erhielt die kultische Gemeinde von den dargebrachten Speisen bzw. vom Fleisch des geschlachteten Tieres. Beim Brandopfer verbrannten die Israeliten die Teile der geschlachteten Tiere ganz. So war das Opfer eine Gabe, die nicht – offen oder versteckt – einem selbst nutzen konnte.
Dank Hosea, Jesus u.a. verbrennen wir heute kein Tierfleisch mehr. An die Stelle solcher Opfer ist ein anderes Opfern getreten: die Eucharistiefeier, die Feier der Lebenshingabe und der Auferstehung Jesu, und für den Alltag der Gläubigen das Lob des Schöpfers, das uns aufgetragen ist.
Bring Gott als Opfer dein Lob. Wäre das nicht ein großer Segen auch für uns? Wenn wir mühsame Stunden erleben: Gott loben. Wenn uns eine Laus über die Leber gelaufen ist: Gott loben. Wenn ein Einsatz völlig vergeblich scheint, trotzdem Gott loben. Wo auch immer wir Schwierigkeiten erleben: ein Versuch, Gott zu loben.
Natürlich dürfen wir auch klagen. Mehr als die Hälfte der biblischen Psalmen sind Klagepsalmen. Auch kann es nicht darum gehen, dass wir uns vor Gott verstellen. Zu loben, wo es uns schwerfällt, das ist keine Chiffre für Unehrlichkeit. Es geht ja nicht darum, dass wir Gott schmeicheln müssten.
Aber worum geht es dann?
Gott in allen Situationen und insbesondere dort zu loben, wo einem dies wie ein Opfer vorkommt, das wäre recht verstanden ein starker Akt des Glaubens und ein Akt des Vertrauens. Wie schlimm die Malaise auch ist, Gott ist größer. Auch wenn wir seine Wege nicht verstehen.
Es könnte zudem ein Ausdruck von Liebe sein. Bei Hosea hieß es: Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen. In Innsbruck wissen wir, was mit diesem Bild gemeint ist. Um 7:30h sieht man Wolken wie einen zarten Ring um die abfallenden Hänge der Nordkette schweben. Eineinhalb Stunden später ist von ihnen keine Spur mehr zu sehen. Unsere Liebe zu Gott und zu Jesus Christus könnte beständiger sein als diese Wolken, so schön sie auch sein mögen.
An dieser Stelle höre ich schon die Einwände meiner Mitbrüder: Im christlichen Glauben und in der Frömmigkeit geht es nicht um Leistung! Glaube, Hoffnung und Liebe sind letztlich ein Geschenk – eine Gabe, die wir nicht machen können.
Es ist schwer, diesen Einwand zurückzuweisen: Es ist korrekt. Wir können um Glauben, Hoffnung und Liebe bitten, machen können wir sie nicht. Dennoch: Es lohnt, über das „Opfer des Lobes" nachzudenken und sich darum zu bemühen. Könnte es nicht die ganz kleinen Lobesworte geben, die uns im Jetzt möglich sind?
Als ich im Noviziat des Ordens war, mussten wir jeden Freitag das Haus putzen: von unten nach oben und von oben nach unten. Das ist eigentlich ganz normal, fast jeder Mensch muss seine Wohnung putzen. Ich fand das so, wie es war, dennoch frustrierend. Irgendwann aber entdeckte ich, welch großen Unterschied es machte, wenn ich ein Taizé-Lied summte oder sang. Das leise Loben hat manchmal viel verändert.
Ich denke, das gilt allgemein: Ein kleines Lied, ein leises inneres Lob, ein Dank, weil Gott alles erfüllen kann, sie können in unserem Leben viel verändern.
Die Botschaft des Evangeliums passt wunderbar zu diesen Gedanken zu Hosea und zum fünfzigsten Psalm. Jesus ruft einen Zöllner, einen Mann, der immer alles in Geld verrechnet hat. Er ruft ihn weg vom Rechnen, weg vom Nehmen und vom erhofften Gewinn. Mehr noch: Jesus lässt sich einladen von Matthäus. Er isst mit den Zöllnern. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken."
Für mich bedeutet dies: Dort wo wir nicht geben können, sondern klammern, dort kann der Herr die Liebe neu ermöglichen. Matthäus verzichtet auf den Geldkasten. Neues Leben zieht ein. Ein neuer Anfang. Auf einmal gelingt es neu, Gott zu loben und zu lieben. Ist das nur unpolitische Frömmigkeit?
Ich glaube nicht: Wer lobt, wird frei vom Klammern, von der Gier, von der Angst um sich selbst. Natürlich muss geklagt und gestritten werden. Eine Gesellschaft, die über das Kritisieren hinaus auch loben und danken kann, dürfte aber auch andere Qualitäten entwickeln. Die Gastfreundschaft des Matthäus ist ein gutes Beispiel für so eine Qualität, die aus dem Opfer des Lobes hervorgehen kann.
Amen.
P. Stefan Hofmann SJ
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