Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Man sagt es kleinen Kindern: Das verstehst du jetzt noch nicht, dafür bist du noch zu klein! Aber gibt es auch die Variante: Das verstehst du jetzt nicht mehr, dafür bist du schon zu groß! Die erfrischende kindliche Unbekümmertheit und Ehrlichkeit, ein einfacher Zugang zum Leben, eine Grundehrlichkeit, die wir an Kindern hervorheben und schätzen, ... die aber über die Jahre abnimmt, ausschleicht. Jesu Worte aus dem heutigen Evangelium gehen für mich in diese Richtung: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen - auch übersetzbar mit: den kindlich Unerfahrenen - offenbart hast.
Welche Offenbarung, welche Mitteilung Gottes hört unverstelltes, einfaches, noch entwicklungsfähiges Menschsein besser als scharfsinniger, ausgereifter, selbstbewusster Menschenverstand?
Vielleicht ist es die Stimme des Herzens, die noch leichter an das innere Ohr gelangt, die ein kindliches Gemüt leichter erreicht, weil der Verstand nicht so oft dazwischen funkt und Entschuldigungen, Entzugsargumente sucht. Gott offenbart sich uns in unserem Innersten, er will zu Herzen reden, er will Herzen gewinnen. Gott will in Jesus Christus ... Herz unter uns zurückgewinnen! Jesus Christus ist für mich die göttliche Bitte: Seid nicht so hartherzig mit-, untereinander!
Das heutige Evangelium ist paradox, widersprüchlich: Eine leichte Last, die unseren Seelen Ruhe verschafft, was soll das sein?
Für mich ist es die Stimme des Herzens, die, wenn wir ihr folgen, nicht immer zum Leichten, Angenehmen, Vernünftigen rät, aber uns tatsächlich innere Ruhe, Seelenfrieden verschafft.
Was tun Menschen nicht alles, weil sie ihrem Herzen folgen, wo Vernunft abwinken und sagen kann: Wahnsinn, unglaublich! Oder: Schön dumm müsste ich sein!
Wie viele schlaflose Nächte von Eltern für ihre Kinder, wie viel Geduld ist nötig für einen demenzkranken Partner/in, wie viel Verzicht wird geübt, damit es einem geliebten Menschen gut, besser geht, wie viel Herz wird in freiwilliges Engagement und Ehrenamt gegeben?
Anstrengung aus Liebe, eine Last, ein Joch und zugleich Seelenruhe, weil man zu Innerst weiß: Ich tue das Richtige!
Und anderseits: Wie viel lastet auf uns, das wir wieder und wieder vernünftig begründen und doch keinen Sinn macht!
Wie viel Leid durch Kriege als sog. ultima ratio!
Wie viel vernünftig begründete Planetenzerstörung, weil politische und wirtschaftliche Systeme sehr langsam, zu langsam umdenken?
Wie viel künstlich produzierter Hunger, obwohl Berechnungen sagen, alles eine Verteilungsfrage, nicht notgedrungen Knappheit?
Wie viel wissentlich hingenommene Unterjochung anderer, weil man auf der für vernünftiger gehaltenen Welthalbkugel geboren wurde?
Eine Welt in Unruhe, ...für mich auch deshalb, weil sie weiß, dass sie oft nicht das Richtige tut und fadenscheinig vernünftig argumentiert.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
Jesus empfiehlt uns die Ruhepole Güte und Demut für unsere Herzen.
- Ruhepol Güte:
Gutsein, es verschafft unserer Seele Ruhe, Frieden. Gutmensch, eine ironische Wortschöpfung, die das Gegenüber als moralisierend missionarisch abwertet.
Güte und Gutsein wieder aufwerten, gütig und gutsein wollen, egal, wie andere das benennen oder belächeln, weil ich unter dem Joch Jesu gehe und wenn andere uns darin folgen, mitmachen, ... wahrlich keine schlecht Lebensmission!
- Ruhepol Demut:
Ein überhitzte Welt, Klimaveränderung, für mich nicht nur ökologische Problemanzeigen. Überhitztes Verhalten, auffällige Verhaltensveränderungen auch im Menschlichen, aufgeregte Gemüter, Reizklima in sozialen Medien. Demut tut Not, Zurückhaltung, Bescheidenheit könnten Klimaverbesserer sein und uns Seelenfrieden schenken.
Unter welchem Joch gehe ich, wessen Ansehen wünsche ich? Jesus in die Augen schauen können, ich verspreche mir Ruhe davon.
Es bleibt Paradox! Einer, der sich sein Herz hat durchbohren lassen, von dem verspreche ich mir Seelenfrieden. Frieden im Herzen haben, ein hohes Gut!
Unter welchem Joch gehe ich? Was lastet auf mir und wo wird der Blickkontakt mit Jesus zur Offenbarung: Warum tust du das? Was versprichst du dir davon?
Kind Gottes sein und bleiben, das heißt für mich nicht, immer weiser und klüger werden, sondern zeitlebens auf die Stimme meines Herzens zu hören.
Gott hat einen Lieblingsoffenbarungsort und der ist nicht unser Verstand, sondern unser Herz.
Das klingt so einfach, aber wie oft erwische ich mich dabei, dass ich Gott die Welt erkläre und wäre viel lieber einfach nur vorbehaltslos, kindlich offen für ihn.
Die Unmündigen, mit denen teilt Gott etwas, denen teilt er sich mit, offenbart ihnen, was er für wichtig hält. Die ihn weniger belehren, denen kann er leichter zu Herzen reden.
Mund zu, Herz auf! Denn dass Gott mir zu Herzen spricht, ist Wunsch, Sehnsucht, Verlangen, alles zugleich ... und jedesmal, wenn's mir gelingt, wird Jesu Versprechen wahr: Bedrückung weicht und Ruhe kehrt in mein Innerstes ein. - Amen.
Bild: SJ