Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Was für eine eigenartige Tariftabelle für Glauben, Glaubenseinsatz, die Jesus da am Ende des Evangeliums aufmacht: Prophetenlohn, Gerechtenlohn, ... Mindest- oder Geringverdienerlohn für einen ausgehändigten Becher Wasser, ... der aber immerhin auch belohnt wird. Glauben, Nachfolge, lohnt sich das alles?! Vielleicht stand die Frage damals schon im Raum, denn sie ist ja bis heute virulent: Lohnt sich das, an Gott zu glauben, lohnt sich das, Jesus nachzufolgen?!
Ein Blick auf den Kontext des heute gehörten Evangeliums: Das Thema ist Nachfolge, engere Nachfolge, Jesus wendet sich an die zwölf Jünger, die er kurz vorher „erwählt" hat, aus einer Menge herausgerufen hat, die über eine Namensliste dokumentiert sind (Mt 10). Es ist nicht die Bergpredigt in Kapitel 5, in der Jesus zu vielen Menschen, Jüngerinnen und Jüngern spricht, hier gibt er Instruktionen für den engsten Jüngerkreis, eben für die, die später Apostel genannt werden.
Die Rede Jesu bleibt markant, hat Härten, aber der Anfang des Evangeliums wird über den Kontext verständlicher: Wer Vater, Mutter, Sohn, Tochter ... mehr liebt ist, meiner nicht würdig. - Ja, vom engsten Nachfolgekreis erwartet Jesus volle Verfügbarkeit, ganze Disponibilität. So ist für mich neutestamentlich der Zölibat begründbar: Wie der Sohn Gottes selbst, so auch die engsten Jünger, volle Verfügbarkeit für Gott ist gewünscht, auch mit Blick auf menschliche Beziehungen.
Mt 10 ist eine längere Rede Jesu, wir haben letzten Sonntag schon daraus gehört: Jesus prophezeit familiäre Entzweiung, Verwandte werden einander ausliefern, Jesu Name wird Hass auslösen, Spaltung bewirken. An Jesus scheiden sich die Geister, Nachfolge braucht Entschiedenheit, sie ist nicht für umsonst zu haben, sie hat ihren Preis, aber eben hoffentlich auch ihren Lohn! Jesus nimmt realistisch den Preis von Nachfolge in den Blick ... und da finde ich es stimmig, dass er auch einen Lohn erwähnt.
Lohnt es sich, an Gott zu glauben, Jesus nachzufolgen? Die nächste Hürde folgt sofort: Das Wort von der Kreuzesnachfolge! Und dieses Wort lässt sich nicht damit beantworten, dass es auf den engsten Kreis hingesprochen ist, wie ich vorher die geforderte Relativierungen aller noch so schätzenswerten Beziehungen gedeutet habe. Denn das Wort von der Kreuzesnachfolge kommt im Mt-Ev nicht nur einmal vor und in der zweiten Stelle, scheint es mir an alle Jünger gerichtet (Mt 16,24ff). Lukas hebt jeden Zweifel auf und sagt ausdrücklich, dass es allen, täglich gilt (Lk 9,23).
Kreuzesnachfolge, ein Wort Jesu, das nicht viele Worte verträgt, ich habe Respekt vor dem Kreuz, Vollmundigkeit ist nicht angebracht, stoße ich als Seelsorger im Leben von Menschen auf ein Kreuz, muss jedem Wort ein demütiges Schweigen vorangegangen sein. Als Prediger war es eine Predigt zum Thema Kreuz, die ich gehört habe und die als hilfreich erlebte: Kreuz, das kann schwere Krankheit, früher Tod, große Unrecht, Schicksalsschläge meinen, aber im Falle Jesu war es ein Ansinnen, seine Gesinnung, für die er lebte und starb. Er wollte Liebe, Gottes-, Nächstenliebe, in die Welt bringen und das wurde für ihn zum Kreuzweg, das hat ihm das Leben kostet: Gott als Liebe zu bezeugen! Liebe kann zum Kreuzweg werden und viele Menschen, die sich liebevoll für andere einsetzen, aus Liebe Verzicht üben, leben eine Selbstverleugnung, die für mich mit Fug und Recht unter dem Zeichen des Kreuzes gesehen, interpretiert werden kann.
Die Welt gewinnen, aber das Leben einbüßen ... - Kreuzweg Selbstverleugnung, Selbstverzicht: Die Entscheidung Hingabe leben zu wollen, liebevolle Gabe für andere werden zu wollen und von sich selbst für das Wohl andere absehen zu können lohnt das? - Ich bin fest davon überzeugt: Es kommt der Zeitpunkt in jedem Leben, wo Selbstgenügsamkeit nicht mehr genügt, wo man sich geben will, eben Hingabe leben will, auch wenn es Verzicht und Schmerz bedeutet, weil sonst alles schal, hohl, leer, bedeutungslos wird und Leben einfach nur ausschleicht ...
Lohnt es, an einen Gott zu glauben, Jesus nachzufolgen? - Oder: Lohnt es, für die Liebe einen Kreuzweg zu gehen? Den Hingabewunsch, der als Sehnsucht in jedes Leben tritt, anhaltend mit Selbstschonung zu beantworten, ist zweifelhafter Gewinn, Leben findet so nicht zu seiner Erfüllung, bleibt vielleicht bis zum Schluss unversehrt, aber schmerzlich unerfüllt und schleicht einfach nur aus ...
Nachfolge, Hingabe aus Liebe hat ihren Preis, aber die, die es aus Liebe tun, sagen, es lohnt, es erfüllt zutiefst und sie erleben sich in einer Art und Weise angstfrei mit Gott verbunden, für die ich sie beneide! - Amen.
Bild: Heindl SJ