Evangelium in Reinkultur

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, 14. Sonntag im Jahreskreis

Symbol

Evangelium in Reinkultur

Die heutige Stelle aus dem Matthäusevangelium gehört für mich zu den schönsten Texten der ganzen Bibel. Hier haben wir das Evangelium in Reinkultur, die gute und frohmachende Botschaft, nicht ein Gesetz, das uns noch zusätzlich niederdrückt und klein macht. Jesus zeigt uns, wer er wirklich ist. Er lässt uns mitten in sein Herz hineinschauen. Und dieses Herz schlägt für die Mühseligen und Beladenen, für alle, die es schwer haben, die mit dem Leben, die auch mit der Religion und ihren Forderungen nicht zurechtkommen, die vielleicht am Rande der Verzweiflung stehen und nicht mehr weiterwissen. Für solche Menschen schlägt das Herz Jesu. Solchen Menschen gilt seine Botschaft, solchen Menschen will er Mut machen, Mut schenken, Mut zum Leben und Mut zum Glauben. Der Text spricht eigentlich für sich, aber ich möchte doch auf drei Punkte ein wenig genauer eingehen:


1) Die Wahrheit Jesu bleibt für die Weisen und Klugen verborgen

Jesus betet zu seinem himmlischen Vater, und er preist ihn, weil er all das vor den Weisen und Klugen verborgen, es aber den Unmündigen offenbart hat. Was könnte damit gemeint sein? Ohne Jesus wüssten wir nicht, wie wir mit Gott dran sind. Jesus offenbart uns die Barmherzigkeit des Vaters. Jesus nimmt uns hinein in seine Gemeinschaft mit dem Vater. Der Vater liebt uns so wie seinen eigenen Sohn, mit einer unbedingten und ewigen Liebe. Wir müssen nichts tun, um uns diese Liebe zu verdienen, sie ist völlig gratis, und er zieht sie niemals zurück. Gott liebt die Sünder, die Ausgestoßenen, die Versager, die Dirnen und Zöllner genauso wie die Frommen und angeblich Gerechten. Gott hat nur eine Liebe, die Liebe zwischen Vater und Sohn, und diese Liebe gilt allen Menschen, unabhängig von ihren Leistungen oder sonstigen Vorzügen. Das ist das Evangelium. Das können wir nur im Glauben an Jesus Christus erkennen. Und das steht gegen unsere Welterfahrung und wahrscheinlich auch gegen unser Gerechtigkeitsempfinden. Die Weisen und Klugen können das nicht akzeptieren, sie verlassen sich auf ihre eigene Einsicht, sie bauen auf ihre eigene Gerechtigkeit, sie können und wollen sich das Wort Gottes nicht gesagt sein lassen. Und so haben sie Jesus auch abgelehnt.
Jesus verlangt von uns nicht, dass wir dumm sein müssen, naiv und kindisch, aber er mutet uns zu, umzudenken, unser ganzes Sinnen und Trachten zu ändern: Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Gott ist anders, als wir uns das gedacht haben. Er ist keine Verlängerung der Welt, keine Rechtfertigung der herrschenden Zustände. Für die Unmündigen, für Menschen, die in den Augen der Welt machtlos und abgeschrieben sind, ist das die gute Botschaft.


2) Jesus ruft die Mühseligen und Beladenen zu sich, um sie zu erquicken

Wo sollen wir nach Gott suchen? Wie kommen wir zu ihm? Was muss man tun, um einen gnädigen Gott zu finden? Aber in Wahrheit ist es Gott, der uns sucht und findet. Man sucht nach Gott nur, wenn man schon irgendwie von ihm angesprochen wurde. Jesus ruft uns zu sich, jeden und jede von uns. Von ihm geht alle Initiative aus. Er entscheidet sich für uns, steht an unserer Seite, geht uns nach, wenn wir auf Abwege geraten. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Mühselig und beladen sind wir wohl alle immer wieder, die einen mehr, die anderen weniger, aber jedes Menschenleben kennt Mühsal und Belastungen. Vielleicht ist die schwerste Last, wenn einem der Sinn zerbricht, wenn man in den Zweifeln untergeht und einem die bisherigen Gewissheiten wegbrechen, wenn man das Gefühl bekommt, dass dieses Leben im Grunde nicht lebenswert ist. Jesus will die Mühseligen und Beladenen erquicken. Man könnte dafür sagen: Er will ihnen Kraft geben, neue Lebenskraft, neues Leben. Was für ein Leben? Sein eigenes Leben, göttliches Leben, Leben das nicht einmal mehr vom Tod zunichte gemacht werden kann. Er schenkt den Mühseligen und Beladenen eine neue Perspektive, eine neue Identität: Ihr seid geliebte Kinder Gottes, ihr habt eine unzerstörbare Würde von Gott her, auch wenn Menschen diese Würde mit Füßen treten oder die Umstände dagegensprechen. Kommt zu mir, immer wieder neu, vertraut meiner Zusage!


3) Das Joch Jesu ist sanft

Jesus lädt uns ein, sein Joch auf sich zu nehmen. Ein Joch ist ein Zuggeschirr, mit dem Lasttiere vor einen Wagen oder Pflug gespannt werden. Aber was ist das Joch Jesu? Das Joch Jesu ist seine Lehre, seine Botschaft der Gnade, sein Evangelium von der bedingungslosen Liebe Gottes. Das Joch Jesu ist sanft, weil es nichts fordert, sondern Zusage und Verheißung ist. Das Joch Jesu ist kein neues Gesetz, das uns nur noch weiter niederdrücken würde, sondern Befreiung von dem Zwang, alles selber leisten zu müssen. Ich muss mir Gottes Zuwendung nicht verdienen, sondern sie ist der sichere Ausgangspunkt für alles andere, geschehe, was auch immer geschehen mag. Nicht meine Leistung bestimmt meinen Selbstwert, sondern mein Geliebtwerden durch Gott, jetzt und in alle Ewigkeit. „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele." Jesus ist gütig und demütig von Herzen, er will unser Bestes, er will uns dienen, er sucht nicht seinen eigenen Vorteil. Deshalb können wir ihm vertrauen, deshalb können wir sein Joch auf uns nehmen, also im Glauben leben und so Ruhe finden für unsere Seele, trotz aller Schwierigkeiten und Probleme. Und unter diesem Joch werden wir allmählich Jesus ähnlich werden. Das sanfte Joch Jesu verwandelt unsere Hartherzigkeit und schenkt uns ein sanftes und demütiges Herz.

Die Wahrheit Jesu bleibt für die Weisen und Klugen verborgen. Jesus ruft die Mühseligen und Beladenen zu sich, um sie zu erquicken. Das Joch Jesu ist sanft. Drei Punkte zum heutigen Evangelium, zum Evangelium in Reinkultur.

 

P. Robert Deinhammer SJ


Bild: Yousef Salhamud via unsplash.com

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapLinksDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Links
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS