„Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr"

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, 26. Sonntag im Jahreskreis

Symbol

„Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr"

In den heutigen Bibeltexten geht es um das Thema Umkehr. Gott ruft den verlorenen Menschen zur Umkehr. Das hat er zu allen Zeiten getan, das tut er auch hier und heute: Kehrt um! Der Mensch soll seine falschen Wege verlassen und zurückkehren auf den Weg des Lebens, zurückkehren zum lebendigen Gott.
Wer muss umkehren? Wir denken da vielleicht in erster Linie an die schlimmen Fälle, an Verbrecher und Kriminelle, an Ehebrecher und Betrüger. Vielleicht auch an Menschen, die nichts mehr von Gott wissen wollen, die sich eingerichtet haben in einem oberflächlichen Leben und ganz stumpf und zynisch geworden sind.
Jesus wendet sich jedoch an die Hohepriester und die Ältesten des Volkes, an die religiösen und moralischen Autoritäten in der Gesellschaft, an die Elite. Heute wären das der Papst und die Bischöfe und Theologieprofessorinnen, und vielleicht auch Politikerinnen, Wissenschaftler und Künstler. Und er sagt zu Ihnen: „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr." Das ist natürlich ein Affront. Jesus macht sich mit solchen Ansagen keine Freunde, aber das muss er auch nicht: Er ist so frei, dass er die Wahrheit sagen kann. Er hat solchen Freimut, dass er den Leuten nicht nach dem Mund reden muss. Jesus kann das sagen, was er denkt, weil er nicht auf die Anerkennung von Menschen angewiesen ist. Und er ist nicht auf die Anerkennung von Menschen angewiesen, weil er sich der Anerkennung seines Vaters im Himmel gewiss ist. Darin ist er auch ein Vorbild für uns.

Aber warum gelangen nun Zöllner und Dirnen eher in das Himmelreich als die Hohepriester und die Ältesten des Volkes? Wie gelangt man überhaupt in das Himmelreich, in die rechte Beziehung zu Gott? Blaise Pascal, der große französische Mathematiker und Philosoph, hat einmal gesagt: „Es gibt nur zwei Arten von Menschen: die Gerechten, die sich für Sünder halten, und die Sünder, die sich für Gerechte halten." Die Hohepriester und Ältesten sind ganz von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt, sie sehen gar keine Notwendigkeit, umzukehren. Sie strotzen vor Selbstbewusstsein, auch in religiöser Hinsicht. Das Problem ist nur: Auch sie sind wie alle Menschen Sünder, aber eben Sünder, die sich für Gerechte halten. Und deshalb können und wollen sie sich für die Barmherzigkeit Gottes nicht öffnen, sie wollen nicht angewiesen sein auf die Gnade. Sie sind sozusagen im Guten verhärtet, auch wenn dieses Gute bei genauerem Hinsehen ziemlich schäbig ist.

Die Zöllner und Dirnen, von denen Jesus spricht, wissen dagegen, dass ihr Leben nicht in Ordnung ist, dass sie sich aus eigener Kraft nicht aus dem Sumpf ziehen können. Gottes Barmherzigkeit ist ihre letzte, ihre einzige Chance. Und deshalb sind sie auch offen für das Evangelium, für die rettende Botschaft, dass Gott um Jesu willen die Sünder in Gnaden annimmt. Sie sind deshalb keine besseren Menschen. Vor Gott sind alle gleich. Aber sie vertrauen nicht ihrer eigenen Gerechtigkeit, sondern lassen sich Gottes Gerechtigkeit zusprechen. So sind sie Gerechte, die sich für Sünder halten. Durch Jesus Christus stehen sie in der rechten Beziehung zu Gott, auch wenn sie von den anderen Menschen verachtet werden.
Umkehr, Liebe Schwestern und Brüder, Umkehr ist nicht eine moralische Leistung, die wir zu erbringen hätten, keine krampfhafte Selbstoptimierung, die uns letztlich nur noch mehr in die Verzweiflung führen muss. Niemand kann sich selbst vor Gott gerecht machen. Umkehr besteht darin, wirklich auf die Botschaft Jesu zu hören und ihr zu vertrauen: „Ich liebe dich, trotz allem. Niemals werde ich dich verlassen. Du gehörst mir, und keine Sünde und kein Tod können daran etwas ändern." So spricht Gott zu uns durch Jesus. In seinem Wort überkleidet er uns mit der Gerechtigkeit seines eigenen Sohnes. In jedem und jeder von uns sieht er Jesus Christus, seinen geliebten Sohn.

Wem das ins Herz eingeht, der kommt zum Glauben. Glauben bedeutet, sich von Gott bedingungslos geliebt zu wissen, nicht weil man so liebenswert wäre, sondern weil Gott so gut ist. Diesen Glauben verdanken wir Jesus. Und in diesem Glauben können wir dann auch anders leben, mutiger, freier, liebevoller, so wie Jesus.
Umkehr zum lebendigen Gott, das Thema wird uns unser ganzes Leben lang begleiten, bis zum letzten Atemzug. Immer wieder dürfen wir umkehren, immer wieder dürfen wir uns das Evangelium neu gesagt sein lassen, und darin das wahre Leben finden.

 

P. Robert Deinhammer SJ
So., 1. Oktober, 26. Sonntag im Jk


Foto: Martin Sanchez via unsplash.com

 

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