Grundausstattung Würde

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 28. Sonntag im Jahrekreis

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Ich schlendere durch Rom und genieße einen freien Tag. Rom ist für mich voller Erinnerungen, weil ich ein Studienjahr dort verbrachte. Ich trete in das Halbdunkel von Santa Maria Sopra Minerva ein, die mystische Atmosphäre dieser gotischen Kirche im Herzen Roms neben dem Pantheon, mag ich besonders gern, ich trinke einen Espresso in der Cafeteria der Gregoriana, rechne nach, wie lange es her ist, dass ich hier studiert habe und freue mich auf eine Pasta in meiner Lieblingstrattoria. An der Trattoria angekommen stehe ich vor einem Schild: Stasera riservato! - heute Abend geschlossene Gesellschaft! Na bravo!

Auch das Gleichnis Jesu beginnt auch mit einer geschlossenen Gesellschaft, einer Hochzeit, nur geladene Gäste kommen rein. Eigentlich sonderbar, weil das biblische Israel letzten Endes auf eine offene Gesellschaft hofft! Die Lesung aus dem Buch Jesaja stellt uns ein Festmahl für alle Völker mit feinsten Speisen, erlesenen Weinen vor Augen! „An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott!" Es ist eine Endzeitvision, die Jesaja so sympathisch offen und einladend ausmalt und ich möchte sagen: Sei's drum, wer hier die durchgängig schönere Geschichte erzählt, auch Jesu Geschichte schließt mit einem „open" und in diesem Sinne mit einem „happy end". Das Reich Gottes, von dem Jesus im Gleichnis spricht, holt Menschen von der Straße zusammen. Es heißt im Text: „ ... die Diener ... holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen."

Das RG eine illustre Versammlung oder wie man heute sagen würde, bunt. Bunt geht es zu, wenn zur Vollversammlung des Reiches Gottes getrommelt wird! Und ich bin fast versucht, über den Einen hinwegzusehen, der doch noch vor die Tür gesetzt wird, nach dem Motto: Meine Güte, das ist doch ein passables Ende, zu dem Jesus da noch findet, wenn man bedenkt, dass er im ersten Teil des Gleichnisses erzählt, dass der König die Stadt der erstgeladenen, aber ignoranten Gäste in Schutt und Asche legen ließ! - Die Kurzfassung des Evangeliums, die im Lektionar angeboten wird, lässt diese unschöne Szene, dass doch noch einer hinausgeworfen wird, auch einfach weg und endet rundum happy: „ ... und der Festsaal füllte sich mit Gästen". Was hat es mit diesem einem Gast auf sich? Einer wird hinausgeworfen, weil er kein Festgewand trägt. Wieder einer, der den Anlass nicht zu würdigen weiß, beim König eingeladen zu sein! Der Verteidigungsversuch, wie soll denn - bitteschön! - jemand von der Straße ein Festgewand haben, haut nicht hin, weil die anderen von der Straße Eingesammelten es auch auf die Reihe brachten.

Wofür steht das fehlende Festgewand, das ihm möglich gewesen wäre anzuziehen? Es muss für etwas stehen, dass gleichsam zur Grundausstattung aller Menschen gehört, worüber grundsätzlich alle Menschen verfügen. Für mich ist es das Gewand der Gottebenbildlichkeit, das uns Würde schenkt, das wir alle vor aller Leistung, gratis, von Anfang an von Gott erhalten haben. Und so sehr dies für alle Menschenkinder gilt, die Getauften haben dieses Festgewand, noch über einen Ritus überreicht und vergewissert, angezogen bekommen: „Dieses weiße Kleid soll dir ein Zeichen dafür sein, dass du in der Taufe neugeschaffen worden bist und - wie die Schrift sagt - Christus angezogen hast. Bewahre diese Würde für das ewige Leben", heißt es bei der Feier der Taufe und der Schriftbezug ist Galater 3,27, wo Paulus das Bild einführt: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen." - Taufe, sie befreit von Schuld und vergewissert uns das Grundsätzlich neu, unsere Würde!

Grundausstattung, Gott bekleidet uns mit Würde, die es zu bewahren gilt. Der König sieht mit Kennerblick, wem an diesem Geschenk nichts liegt, wer auf die Verbundenheit mit ihm, keinerlei Wert legt, wer dieses Gewand gleichgültig liegen lässt, obwohl er es anziehen könnte! Wichtig ist mir, das geschenkte Gewand der Würde ist nicht ein Preis für Moralität. Hinausgeworfen werden nicht die als Böse bezeichneten, die sittlich Schlechten, weil der König nicht zu einer Preisverleihung, sondern zu einer Hochzeit einlädt! Ein Fest der Liebe ist das Bild für die Grundbeziehung, die Gott zu allen Menschen wünscht. Eine Hochzeit macht öffentlich, zeigt allen, dass sich zwei mögen und zusagen: „Ich liebe dich!" Und es wäre ein Affront, eine Beleidigung, eine Kränkung höchsten Maßes, wenn auf dem Fest offenbar würde, dass einer von beiden denkt oder sagt: „Ist mir doch egal! Was kümmert's mich!"

Es kann sein, dass einige jederzeit in ihr gottgeschenktes Kleid schlüpfen können und dieses passformgenau, elegant fließend an ihnen heruntergleitet, dass jeder sagt: „Steht dir gut!" Vielleicht sind unsere Hochzeitsgewänder aber auch kräftig zerknittert, haben einen, mehrere, viele Flecken im Laufe der Zeit bekommen, sind gar an manchen Stellen zerschlissen, als Bilder dafür, was in einem Glaubensleben passieren und schief gehen kann. In einem solchen Kleid vor den Spiegel getreten, kratzt man sich nachdenklich hinter'm Ohr und denkt: „Uih, sieht nicht gut, sieht böse aus, müsste mal was ändern!" Aber wir sollten wissen, wir haben dieses Gewand der gottebenbildlichen Würde zur Verfügung gestellt bekommen, ein Bild dafür, dass wir in eine Liebesbeziehung hineingenommen, eingeladen sind, die viel, aber sicher keine gleichgültige, abschätzige Ignoranz verträgt!

Wir sind eingeladen zum Fest. Die Tür ist offen, wir können eintreten und sagen: „Schau nur her, wie ich aussehe! Ich müsste mein Festgewand mal wieder ausbessern, reinigen, bügeln ... ! Aber ich wollte unbedingt kommen!" Wenn ich das Gleichnis richtig verstehe, folgt darauf kein Rausschmiss. Eine Erwiderung Gottes, die ich mir vorstellen könnte, ist: „Ach, wichtiger ist, dass du gekommen bist! Nimm Platz, das Aufbügeln bekommen wir schon hin!" - Amen.


Bild: unsplasch, Erika Fletcher, Detail

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