Jetzt musste ich doch tatsächlich nachschauen, wessen Bild auf der österreichischen 1 Euro Münze drauf ist. Und siehe da: Es ist das Bild
von Mozart. Da freuen sich alle Musikliebhaber. Er hat uns mit seiner Musik so reich beschenkt. Ich würde ihm gern etwas dafür
zurückgeben...
Vielen Lesern des Evangeliums ist ein schöner Vergleich eingefallen: Wie die Jünger der Pharisäer einen Denar mit dem Bild des Kaisers
bei sich tragen, so tragen alle Menschen in ihrer Seele das Bild Gottes. Was ist das für ein Bild?
1. Es ist das Bild eines Gottes, der mich beim Namen kennt und ruft, egal ob ich davon weiß oder nicht, ob ich es glauben kann oder nicht.
Es ist wie beim Perserkönig Kyrus. Obwohl er ein heidnischer König war, behandelte er die Juden mit großem Respekt. Er ließ sie aus der
Gefangenschaft in ihr Land zurückkehren und den Tempel wieder aufbauen. Und über diesen König sagt Jesaja (45,1.4-6): Gott habe ihn
an der rechten Hand gefasst. Er habe ihn bei seinem Namen gerufen; ihm einen Ehrennamen gegeben, ohne dass er Gott kannte. Dieses
Bild Gottes trage ich in mir, eines Gottes der meinen Namen kennt, das heißt: der mich durch und durch kennt und trotzdem an meiner
Seite steht, der mich an der Hand führt und mich die Lektionen lernen lässt, die es im Leben zu lernen gibt. Schon bevor ich ihn kannte, war es so.
Und selbst wenn ich ihn nicht mehr vertrauen kann, wenn er mir fern oder gar abwesend erscheint: Gott ist bei mir wie eine Mutter, die über ihrem Kind wacht, auch wenn es schläft.
2. Es ist das Bild eines Gottes, der sein Angesicht über mir leuchten lässt, wie es so oft in der Heiligen Schrift heißt. (Num 6,24; Ps 4,7 etc.)
Als ein lieber Mitbruder von mir völlig unerwartet starb, war ich sehr betroffen. Einige Zeit später hatte ich während meiner Exerzitien
einen Traum. Darin sah ich das Gesicht dieses Mitbruders ganz groß: ein Gesicht, das mich anstrahlte, das mit Liebe und Freude auf mich
schaute. Und ich dachte: Er ist angekommen, er ist glücklich und er schaut auf mich. Wenn ich an diesen Mitbruder denke, ist nun immer
dieses schöne Bild vor meinen Augen. In gleicher Weise stelle ich mir das Bild Gottes vor Augen. Am Morgen im Gebet, bevor ich in den
Tag gehe, suche ich sein leuchtendes Angesicht (Ps 27,8): eines Gottes, der mit Liebe und Freude auf mich schaut, der Blickkontakt zu
mir sucht, auch wenn ich ihn abgebrochen habe, eines Blickes, der das Harte in mir erweicht und mich gut sein lässt.
3. Es ist das Bild eines Gottes, der mich befähigt, Gutes für diese Welt zu tun. Die Jünger der Pharisäer meinten: Entweder – Oder,
entweder Kaiser oder Gott, entweder Erde oder Himmel. Jesus aber sagt: Sowohl als Auch, oder vielleicht noch besser: Unsere Nähe zu
Gott kommt der Welt zugute. Unser Eintauchen in den Himmel tut auch der Erde gut. Und wenn es schon um Steuern geht, so möchte
ich in diesen Tagen beten:
- Herr, lass mich etwas dazu beisteuern, dass es mehr Verständigung gibt unter den Menschen, mehr Bereitschaft zu Vergebung und Frieden.
- Lass mich meine Münze beisteuern, dass Menschen auf Kränkungen nicht gleich mit Gegenkränkung zurückschlagen; dass
sie kreative Weisen finden, darauf zu antworten. Ist doch Kreativität eine deiner Eigenschaften.
- Herr lass mich etwas dazu beisteuern, dass Menschen zu dir finden, dass sie dein Bild in sich entdecken und dadurch Vertrauen und Kraft finden.
Und gib, dass ich dir in all dem das gebe, was dir gebührt: die Ehre und die Freude, gerne mein Schöpfer und Erlöser zu sein.
Amen.
P. Bruno Niederbacher SJ
22. Oktober, Jesuitenkirche Innsbruck
Foto: Markus Spiske via unsplash.com