Glaubensvorsorge

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 32. Sonntag im Jahrekreis

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Eine nachhaltige Bibelkreiserfahrung aus meiner Zeit im Priesterseminar. Wir hatten über das gehörte Gleichnis gesprochen und ich war empört: Na toll, Jesus! Wo bleibt denn nun das Teilen, die Solidarität, das Einander-im-Blick-behalten, ... von dem du sonst immer sprichst! - Die ernüchternde Antwort des Spirituals: Herr Heindl, es gibt gute Fragen an das falsche Gleichnis. Ein Gleichnis kann nicht alle Fragen beantworten!

Ok, ich hatte die Sinnspitze des Gleichnisses verfehlt oder bin auf eine Provokation Jesu reingefallen. Das Gleichnis ist mir über die Zeit sympathischer geworden, zwei Einsichten gewinne ich aus ihm:
Wachsamkeit erhöht die Lebensqualität. Wer mit Lebenszeit wach und achtsam umgeht, hat die Kostbarkeit von Leben erkannt, wird es bewusster auskosten, es als Fest verstehen lernen.
Und 2. das Gleichnis ermutigt mich selbstbestimmt, tätig vorausschauend - kurz: proaktiv - mein Glaubensleben zu gestalten ... und in Glaubensvorsorge zu investieren.
Der Teil der Welt, in dem wir leben, ist Vorsorgeweltmeister! Hier kann man etwas von uns lernen: Gesundheitsvorsorge, Altersvorsorge, Vorsorgeversicherung und Vorsorgevollmacht, bis hin zur Bestattungsvorsorge ... wissen wir zu organisieren. Glaubensvorsorge, ist eher ein Lernfeld für uns. Glaubensvorsorge, sie beginnt für mich mit der Einsicht, der Erkenntnis: 
Ich kann nicht für mich Glauben lassen! Ich kann Glauben nicht delegieren, glauben muss ich selbst, dass können nicht andere für mich tun. Sicherlich, ich muss in den Glauben eingewiesen, einführt werden, aber dann muss ich es selbst tun, ... dann muss es mir selbst ein Anliegen sein, ... zu glauben!

Die Lampen im Gleichnis sehe ich als Bild für das Geschenk des Glaubens, das Gott allen Menschen macht. Geschenk meint für mich, wir haben keinen Rechtsanspruch darauf, Gott stattet uns aus freien Stücken mit ... Glaubensfähigkeit aus. Alle sind von Gott, mit Glaubensgnade, mit der Fähigkeit zu glauben beschenkt worden. Oder im Bild: Alle haben eine Lampe, aber das Öl ist unser Beitrag, es wird nicht göttlich dazu- oder ständig nachgeliefert. Den Ölkrug zu füllen, nachzufüllen, das bleibt unsere Aufgabe. Gewiß können wir uns gegenseitig „Ölgeschenke" machen, die Fürbitte, das Gebet füreinander fällt mir hier ein, aber auch das kann den eigenen Glaubensvollzug nicht ersetzen oder überflüssig werden lassen.

Glaubensvorsorge oder wie füllt sich mein Ölkrug? Matthäus nennt im selben Kapitel, in dem das heutige Gleichnis steht, ein großes Ölreservoir. Denn keine 20 Verse weiter steht das Gleichnis vom großen Weltgericht, indem Christus die Gerechten, die ihrem Glauben gerecht wurden, von denen teilt, die hinter dem zurückgeblieben sind, was an Glaubensvollzug möglich gewesen wäre. Wie haben die Gerechten, deren Glaubensvollzüge gelobt werden, vorgesorgt? Über Taten, Taten der Nächstenliebe! Sie erinnern sich bestimmt, Christus zählt da auf: Denn ich war hungrig, durstig, fremd, nackt, krank ... und ihr habt, zusammengefasst, auf meine Bedürftigkeit reagiert. (vgl. Mt 25,31ff)

Den Lohngedanken wollen wir gerne aus unserem religiösen Leben heraushalten. Man tut das Gute um des Guten willen und doch ist es ein Erfahrungswert, das Gute tun, tut uns gut. Es beschenkt nicht nur die Anderen, sondern auch uns selbst. Im Bild gesprochen, es füllt unseren Ölkrug. Gute Taten füllen unseren Ölkrug, aber ein voller Ölkrug zeigt für mich, unabhängig vom Lohngedanken, ob ein Mensch erkannt hat, was erfüllt, ja, das Leben schön macht, zum Fest werden lässt? 
Raffen, gieren sind es jedenfalls nicht! Fakt ist: Eine gute Tat kann den ganzen Tag ... „retten", das Leben schön machen! Und ich deute diese Erfahrung religiös: Im Gutsein rühren wir an unseren Wesenskern, Gottes Wesen ist Güte, unser Ursprung ist Güte. Unser Stammbaum reicht zurück bis zum guten Gott, ist fest verwurzelt in Güte. Das Schlechtsein, die Sünde, die Verfälschung unseres Wesen kam erst später dazu, ist sekundär.

Glaubensvorsorge, ein bleibendes Lernfeld, um erfüllt zu leben. Neben Gebet füreinander und guten Werken gibt es für mich noch ein Ölvorkommen, über das wir unsere Ölkrüge füllen können: Momente der Einkehr, der Stille, des Staunens, des Dankens, weil nichts, wirklich nichts selbstverständlich ist! Das Leben nicht und auch all das nicht, was es wirklich erfüllt: Liebe, Wohlwollen, Angenommensein ...

In Momenten der Einkehr diesem Geschenkcharakter von Leben nachspüren, sich Zeit dafür nehmen, im persönlichen Gebet, in Zeiten des religiösen Rückzugs oder in gemeinsamen Gottesdiensten, all das füllt unsere Ölkrüge, ist Glaubensvorsorge, damit wir Öl zur Verfügung haben, wenn Schweres auf uns zukommt, es dunkel wird, es ist Vorsorge, damit die Flamme des Glaubens nicht erlischt.
Ein Gleichnis kann nicht alle Fragen beantworten. Die klugen und törichten Jungfrauen, zwei Einsichten sind mir im Laufe der Zeit über das Gleichnis „zugewachsen": Mein Glauben hilft mir, wach, achtsam mit dem Leben umzugehen, es besser zu verkosten. Glaubensvorsorge, es ist nicht nur klug sich darum zu kümmern, es tut auch gut! Güte tut gut und die Welt, die derzeit wieder einmal krächzend aus den Fugen zu geraten droht, könnte dieses Öl gut, sehr gut vertragen! - Amen.


Bild: Heindl SJ

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