Religiöser Straßenbau

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 2. Advent

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Ob Sie mir es glauben oder nicht, gelegentlich, wenn ich auf der Autobahn fahre und mir eine Bausstelle auffällt, wo ungeheuere Erdmassen bewegt, die Landschaft für die Fahrspur eingeebnet wird, kommt mir die gehörte Jesaja-Lesung in den Sinn: "Bahnt für den Herrn einen Weg ... Baut eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben."
Und im Evangelium wird Johannes der Täufer über ein Jesaja-Zitat - im Bild gesprochen - fast als Straßenbauingeneuer vorgestellt: "Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!" Die Franzosen haben für meinen gelegentlichen Blickwinkel bei Autofahrten einen Ausdruck: Déformation professionnelle, das ist die Neigung, eine berufsbedingte Perspektive über ihren Geltungsbereich hinaus anzuwenden.

Autobahnbau ist in Zeiten ökologischen Bewusstsein als Vergleich vielleicht auch fraglich, aber es bleibt für mich beeindruckend, welche Anstrengungen wir bewältigen, welche Leistungen wir vollbringen, damit der Warenverkehr rollen kann, damit wir schnell zueinander kommen, denn Reisezeit abkürzen, um schneller ans Ziel zu kommen, bleibt Ansporn. Wie sieht es mit unserem Straßenbau hin zu Gott aus? Investieren wir da auch, um in Verbindung zu bleiben, um gute, kurze Wege zu Gott zu finden?

In der Antike wurden die großen Handelswege nach ihrem Ziel benannt: Die Via maris, die Meeresstraße, sie führte von der Königsstadt Damaskus, über die Golanhöhen, einem Hochplateau auf 1000 m, hinab nach Galiläa, die Heimat Jesu, durch die Jesreelebene, die knapp über dem Meeresspiegel liegt, und schließlich über das Karmelgebirge, mit 500 m Höhe, zum Meer, also über Tal und Hügel zum Mittelmeer. Die Zielführung als Straßenname, noch einmal aus der Jesaja-Lesung von heute, denn dort ist die Straße, die von Gott zu uns führt, deutlich benannt: "Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott." Gott baut eine Troststraße zu uns, eine Via consulationis, seine Zielführung ist Trost, ist unsere Tröstung!

Trost religiös, was meint das? Ich möchte den Hl. Ignatius zu Hilfe nehmen, wie definiert Ignatius Trost, wie erkenne ich nach Ignatius Trost?
Exerzitienbuch:
"Ich nenne es »Tröstung«, wenn in der Seele irgendeine innere Regung verursacht wird, mit welcher die Seele dazu gelangt, in Liebe zu ihrem Schöpfer und Herrn zu entbrennen ...
Überhaupt nenne ich »Tröstung« alle Zunahme an Hoffnung, Glaube und Liebe und alle innere Freudigkeit, die zu den himmlischen Dingen ruft und hinzieht ... (und der Seele) Ruhe und Frieden in ihrem Schöpfer und Herrn gibt." (316)

Trost meint: Alles, was Gottverbundenheit, was Glaube, Hoffnung und Liebe in mir fördert - das gezielt angehen! Nicht stehenbleiben, denn, es ist nach Ignatius,
"dem bösen Geist eigen, zu beißen, traurig zu machen und Hindernisse aufzustellen, indem er mit falschen Gründen beunruhigt, ... damit man nicht weitergehe." (315) Damit man nicht weitergehe, auf der Straße, die Gott für uns, zu uns baut! Trost, nicht stehenbleiben, gezielt Dinge angehen, die mich in Glauben, Hoffnung und Liebe fördern!

Der Königsweg zum Trost ist für Ignatius, Zitat: ... in guten Werken weiter vorangehen, gut sein, gezielt überlegen, was ich Gutes tun kann? Und bei allem, was beklagbar ist an Kirche, was wäre die Welt ohne das Gute, das viele Menschen über ihren Glauben immer wieder angehen. Die Welt wäre eine trostlosere Gegend! Trostweg: Gutes tun, wer ihn geht, wird die Wirkung spüren, bestätigt bekommen: Ruhe und Frieden in der Seele.

Trostweg: Umkehr zeigen, ... Böses meiden! - Ich könnte auch hier den Hl. Ignatius zitieren, doch das heutige Evangelium sagt es kürzer: "So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden."
Umkehren, wo man den Trostweg des Guten, verlassen hat oder in den Bildern vom Straßenbau:
Buße, Beichte, Schlaglöcher auffüllen, damit man schneller und weniger holprig zu Gott kommt ...
Buße, Beichte, vielleicht auch Leitblanken, um nicht jedesmal an der selben Stelle, aus der Kurve zu fliegen ...
Buße, Beichte, Hilfe, um nicht von der Gottesstraße abzukommen, um Umwegen und Abwegen hin zu Gott die Attraktion zu nehmen ...

Mit Gott in Verbindung bleiben, schnelle Wege zu ihm finden, je länger, um so weniger Umwege gehen. Einen religiösen Erfahrungswert können Sie mitnehmen: Wo wir Trost spüren, wo Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen, ... sind wir auf dem richtigen Weg. Es ist die via consulationis, die direkt von Gott zu uns führt. - Amen.


Bild: Heindl SJ

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