Wie finden wir den Weg nach Weihnachten?

Predigt zum Nachlesen von P. Thomas Hollweck SJ, 3. Adventsonntag

Symbol

An Ostern gibt es oft Osternester oder Osterhasen als Geschenk. Manchmal werden sie auch versteckt. Dann machen sich Kinder und auch Erwachsene auf die Suche. Wenn die Suche nicht so leicht ist, gibt es Tipps: Schau mal im hinteren Bereich des Gartens. Versuch es mal im Wohnzimmer. Da, wo du gerade bist, da ist es schon ganz heiß. Ich glaube, du bist nah dran.

Anders ist es an Weihnachten. Wenn es Geschenke gibt, dann ohne zu suchen. Sie liegen schon unter dem Baum oder werden einfach mitgebracht und gerne und persönlich überreicht.

An Weihnachten muss man nicht suchen. – Trotzdem möchte ich die Frage stellen: Wie finden wir den Weg nach Weihnachten? Wo sollen wir den Zugang suchen?

Klar, es gibt Hinweise von allen Seiten. Viele äußere Hinweise:
Lichterketten, Plätzchenbacken,
Weihnachtssterne, Christbaumschmuck.
Glühweinduft liegt in der Luft.
Tannenbäume, Kindheitsträume.
Und dann noch mein letzter Wunsch:
am Weihnachtsmarkt ein Gläschen Punsch.
Räuchermännchen, Zuckerhut.
Alles glänzend, alles gut.

Ja, das ist alles gut. Aber dann doch nochmal nachgefragt: Wie finden wir den Weg nach Weihnachten, nach innen gefragt, auf das Geheimnis hin, dass Gott Mensch wird – mir, uns menschlich nahekommt? Wie finde ich da den Zugang?

Ich mache es mir leicht und schaue in das Evangelium von heute, wo wir (sofern wir suchen) einen Tipp für unsere Suche bekommen: „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste" sagt Johannes der Taufer. Er befindet sich „jenseits des Jordan".

Er befindet sich also irgendwo „jenseits", auf einer anderen Seite, von wo her sich eine andere Perspektive ergibt, dort in der Wüste. – Mit Wüste kann ich Verschiedenes verbinden.

• Auf biblischer Ebene: Die Wüste als der Ort der Gottesbegegnung. Selbst Jesus ging in die Wüste – vom Geist bewegt.
• Auf einer romantischen Ebene: Ein Ort der Stille und inneren Einkehr. Begegnung in der unberührten Natur. Nächte unter einem schier unendlichen Sternenhimmel. Zum Staunen.
• Eine tödliche Ebene: Die Wüste als der Ort, an dem Menschen der Hitze des Tages, der Kälte der Nacht, der Einsamkeit, dem Durst ausgesetzt sind. Ein Ort der Bedrohung des Lebens, wo in unseren Tagen immer wieder auch viele Flüchtlinge elendig den Tod finden.
• Und dann möglicherweise auch eine Ebene, die uns in unserer Situation betreffen könnte: Falls es bei der einen oder dem anderen von uns gerade etwas trocken aussehen sollte. Wenn es mit der Vorfreude auf Weihnachten etwas dünn steht. Wenn wir ahnen, dass sich die Erwartungen auf Frieden in der Welt, Glücklichsein in der Familie, Erfüllung im eigenen Herzen nicht für alle so ganz erfüllen werden. Wenn meine Sehnsucht (nach Gottesnähe) eher schwach und meine Hoffnungen recht nüchtern sind ...

Ich denke, es bietet sich eine win-win-Situation an:
Falls jemand solche Zustände gerade nicht erlebt, sondern eher Freude und Erfüllung, Trost und Zuversicht dann hat er schon gewonnen. Dann ist jemand schon dabei, den Weg gut zu finden.
Falls aber jemand sie kennt: die Trockenheit, die Unzufriedenheit, die nur dünne Hoffnung, oder Traurigkeit, oder wo sich jemand beschämt oder schuldig fühlt, ... dann könnte genau das der Ort sein, wo es sich lohnt hinzugehen, hinzuspüren und genau da, in den eigenen Wüstengegenden hineinzulauschen. – „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste."
Genau hier lässt sich etwas hören, was uns Weihnachten näher bringen kann, weil genau hier Gott uns näher kommen möchte. In unserem Stall, so einfach und so ärmlich er gerade beieinander sein mag. Unsere Wüstengegenden – unser Stall – ein privilegierter Ort für Gottesankunft.

Vor einigen Tagen war ich auf einer Veranstaltung, auf der ich mich nicht wirklich wohl gefühlt habe. Ich war dafür nicht in der Stimmung. Ich habe dann etwas ausprobiert und mir eine „innere Kerze" angezündet und mich zu dieser Kerze innerlich dazugesetzt. Das hat zumindest teilweise „funktioniert". Ich war während der Veranstaltung zunächst etwas genervt und bin dann heiterer und gelassener herausgegangen.

In meinen Wüstengegenden möchte ich gelegentlich eine innere Kerze anzünden, innehalten, hineinlauschen in die Stille dort. Die Stimme ruft schon. Genau hier: Der Herr ist nahe.

 

P. Thomas Hollweck SJ

17.12.2023 - 3. Adventsonntag, Lesejahr B - 11:00 Uhr


Foto: Raychan via unsplash.com

 

 

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapLinksDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Links
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS