Übergangsrituale - Weihrauch, Wohlgeruch sein

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, Jahresschlussmesse

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Ich möchte Sie einladen, dieses Jahr mit einem kleinen Weihrauchritus abzuschließen und den „Duft der Erkenntnis Christi", wie wir im 2. Korintherbrief gehört haben, in das neue Jahr mitzunehmen. Was ist für mich der Duft der Erkenntnis Christi oder wie es auch noch hieß der „Wohlgeruch", der über Christus in die Welt kam? (2,14f)

Zunächst: Weihrauch steht für Reinigung, Verehrung und Gebet.
Reinigung: Er ist entzündungshemmend und beruhigend.
Verehrung: Er ist ein Zeichen von Festlichkeit, ein Gestaltungsmoment, wo Heiliges geglaubt und gefeiert wird.
Gebet: Weihrauch ist ein Zeichen der Gegenwart Gottes und des Wehens des Heiligen Geistes (Ps 141).

Weihrauch eine Verehrungsgeste, wo Heiliges geglaubt und gefeiert wird. Verehrt mit Weihrauch werden in unser Liturgie das Allerheiligstes und alle Christussymbole: Altar, Evangeliar, Kreuz, Osterkerze, Krippe. Aber fehlt bei dieser Aufzählung nicht noch etwas, denn bei der Gabenbereitung wird doch auch der Priester und die versammelte Gemeinde „beweihräuchert". Eine leicht missverstehbare Geste, denn es geht nicht um Verherrlichung von Menschen. Die Beweihräucherung eines Menschen kennt die katholische Liturgie nur in der Begräbnisfeier. Der Tote wird tatsächlich beweihräuchert und dazu gesagt: „Dein Leib war Gottes Tempel. Der Herr schenke dir ewige Freude." Aber was nach Beweihräucherung von Priester und Gemeinde, während der Gabenbereitung aussieht, hat einen anderen Sinngehalt. Der Weihrauch möchte an dieser Stelle die Feiernden an die richtige innere Haltung, die angezielte innere Haltung bei diese Feier erinnern.

Wir feiern eine Lebenshingabe, die Lebenshingabe Christi. Und diese Feier will uns in diese Hingabe hineinnehmen, sie will unseren Hingabewunsch, unsere Hingabefähigkeit stärken.
Eucharistie, das ist die große Danksagungsfeier für die liebevolle Selbstlosigkeit, die Selbsthingabe Christi an die Welt, an uns. Und Eucharistie möchte uns in die Gesinnung Jesu hineinnehmen, dafür stärken. Diese Feier will uns helfen, zur Gabe zu werden, Hingabe zu leben. In bin zutiefst überzeugt, dass dies kein fremder Wunsch ist, den die Eucharistie an uns heranträgt, uns aufnötigt. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir im Leben an den Punkt kommen, wo Selbstgenügsamkeit nicht mehr genügt, wo über Selbstgenügsam das Leben nicht reicher und erfüllter wird, sondern leerer, schaler. Es ist für mich unser Wesen: Wir wollen uns geben, hingeben an etwas, besser noch an jemanden. Wir wollen zur Gabe werden, wir wollen Hingabe leben.

Kurz: Bei der Gabenbereitung werden keine Menschen beweihräuchert. Der uns vor Augen gestellte, sich verzehrende Weihrauch ist die vor Augen gestellte Erinnerung, was wir gleich feiern werden: die Hingabe Christi an die Welt an uns. Der sich verzehrede Weihrauch ist die vor Augen gestellte Frage: Möchtest auch du zur Gabe werden, Hingabe leben? Dann komm und lass dich dafür stärken, das Mahl wird bereitet.

Die Welt gelingt nicht, keine Welt gelingt, in der Egoisten die Duftnote setzen! Der Duft der Erkenntnis Christi ist für mich wie er Hingabe leben, zur Gabe werden. Der Wohlgeruch Christi ist liebevolle Selbstlosigkeit. Ein Jahr endet, das schwierig war und doch, es gibt Grund zur Dankbarkeit für alle Hingabe, die wir empfangen haben, von Gott, von lieben Menschen ... und für alle Hingabe, die wir leben, geben durften. 

Ich lade Sie ein, während ich die Gaben auf dem Altar bereite, das Jahr mit einem Weihrauchritus abzuschließen, nach vorne zu kommen und ein Weihrauchkorn auf die glühenden Kohlen zu legen. Ein Sinnbild, wozu wir berufen sind: Duftende, sich verzehrende Gabe für die Welt zu werden. - Amen.


Bild: unsplasch, Anup Ghag

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