Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Wenn Sie auf der Umbrüggler Alm etwas bestellen, sei es ein Sodazitron oder ein Wiener Schnitzel, dann kommentiert der Wirt die Bestellung mit: ... „Gewaltig!"
Gewaltig, als Wortbedeutung ist nachlesbar: über eindrucksvolle Machtfülle verfügend; eine außerordentliche Größe oder Stärke aufweisend; den Eindruck übergroßer Kraft oder Wucht erweckend. Ob ein Sodazitron gewaltig ist, möchte ich dahingestellt lassen, aber man schmunzelt unwillkürlich über den Kommentar des Wirts und es bleibt etwas hängen, wie Sie merken, ein Markenzeichen entsteht.
Vom Himmel her plötzlich ein Brausen, wie ein heftiger Sturm, der das ganze Haus erfüllt, Zungen wie von Feuer, ein Getöse, das eine Menschenmenge zusammenströmen lässt, das ist gewaltig oder? Urpfingsten, ein eindrucksvolles, außerordentliches Phänomen! Heiliger Geist, eine passende Beschreibung: über eindrucksvolle Machtfülle verfügend, außerordentliche Größe oder Stärk aufweisend, übergroße Kraft erweckend oder mit einem Wort: gewaltig!
Jedesmal, wenn ich im Beichtzimmer das tun darf, wozu der Auferstandene seinen engeren Jüngerkreis bevollmächtigt, Sünden vergeben, gibt es einen Respekt in mir, der mich innerlich staunen, fragen lässt: Was tust Du da, ... was darfst Du da tun?! Die Lossprechung von Sünden bleibt für mich ein Wunder, ja, (... ein letztes Mal das Wort,) hat etwas Gewaltiges!
Sie ist ein Markenzeichen des Heiligen Geistes: Sündenvergebung. Sündenvergebung, damit auf Erden, die Last des Nachtragens, die Gegenseitige Verschuldung, der Unfrieden und die Verstimmung nicht unermesslich werden!
Es gibt für mich einen Zusammenhang zwischen dem doppelten Friedenswunsch des Auferstandenen an die Seinen, den wir im Evangelium gehört haben, und dem Auftrag, den die Jünger erhalten, loszusprechen, wo immer möglich! Der Auferstandene haucht die Seinen an, um ihnen und dann über sie seiner Schöpfung neuen Lebensatmen zu spenden. Schuld kann uns den Atem stocken lassen, kann uns den Atem nehmen, kann uns den Frieden rauben! Von Schuld befreit zu werden, das ist ein Aufatmen.
Der Auferstandene hat keinen nachtragenden Zug, mit einem zweifachen Friedensgruß ent-schuldigt er die Seinen und gibt ihnen die Vollmacht zu ent-schuldigen. Die Wirkung beschreibt uns die Apostelgeschichte. Urpfingsten: Das verängstigte Jüngerhäuflein, tritt vor die Türen und wirkt das Wunder der Verständigung, des Verstehens! Alle Ethnien, die da aufgezählt werden, Parter, Meder, Elamiter usw., können plötzlich die Sprache des Glaubens, es ist die Sprache des Herzens, verstehen!
Haben Sie das schon einmal erlebt: Sie sind irgendwo auf der Welt, bereisen ein fernes Land, alles mag fremd sein, aber über den Glauben versteht man sich, weiß um gemeinsame Ausdrucksformen - Gottesdienste, Gebete, Gesten - und das Gefühl von Zuhause, von Geborgenheit und Einvernehmen stellt sich ein. Man fühlt sich angesprochen, man hat eine gemeinsame Sprache. Unser Glaube, Heimat in der Fremde, eine weltweite Verständigung, ein Verstehen das tiefer gründet als Worte.
Glauben, die Sprache des Herzens. Pfingsten, das Wunder der Verständigung, des gegenseitigen Verständnisses, das der Heilige Geist hervorbringt und das alles Verstummen, jede Sprachblockade in uns auflösen kann und möchte. Heiliger Geist, das Heilmittel, das Remedium, wenn Atmen und Sprache in uns zum Stocken kommen. Denn es ist so, Schuld kann uns die Luft nehmen und lässt uns verstummen. Paulus zählt im Galaterbrief die Früchte des Geistes auf: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut ... (5,22f) Er nennt aber auch die Früchte des Ungeistes: Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen ... und Ähnliches mehr, schließt Paulus. (5,20f) Die Früchte des Ungeistes, alles Friedensräuber, die unser Herz verstocken und Kommunikation verderben. Die Früchte des Ungeistes hemmen, blockieren das Wunder von Pfingsten, das Wunder der Verständigung und des Verstehens in uns, sie mindern es in seiner Wirkung.
Der Heilige Geist, Heilmittel gegen Schuld, um wieder eine Sprache zu sprechen, um aus dem verstockten Schweigen zum gegenseitigen Verständnis zurückzufinden. Ein Markenzeichen meint: etwas, was für jemanden oder eine Sache bezeichnend, typisch ist. Das Markenzeichen des Heiligen Geistes: Vergebung und Verständigung. Vergebung, um immer wieder zum gegenseitigen Verständnis zurückzufinden.
Komm, Heiliger Geist und erfülle die Herzen deiner Gläubigen. - Amen.
Bild: Heindl, Markusdom