Von Göttern und Meerschweinchen

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, Dreifaltigkeitssonntag - Patrozinium

Symbol

Trinitatis, Dreifaltigkeitssonntag. Es ist irgendwie kurios, dass es im liturgischen Kalender ein eigenes Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit gibt. Jeden Sonntag feiern wir ja die Dreifaltigkeit Gottes. Und jeden Tag, jeden Moment unseres Lebens, dürfen wir Christen an den dreifaltigen Gott glauben, in ihm verwurzelt sein. Die Dreifaltigkeit Gottes ist das Grundgeheimnis unseres Glaubens, alles andere ist darin enthalten. Wir werden getauft auf den drei-einen Gott. Wir beginnen unsere Gebete „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Das muss doch ungeheuer wichtig sein, geradezu das Eingangstor zu allem anderen. Und dann sagt man oft, dass man das überhaupt nicht verstehen könne, besonders in Predigten am Dreifaltigkeitssonntag. Ist die Dreifaltigkeit vielleicht ein unlösbares Rätsel oder gar widersprüchlicher Unsinn, den man einfach schlucken muss?
Was ist eigentlich ein Glaubensgeheimnis? Eine Glaubensgeheimnis drückt eine Wahrheit aus, die man nicht an den Zuständen der Welt ablesen kann, sondern durch Gottes Offenbarung mitgeteilt bekommen muss. Der Glaube kommt vom Hören auf die christliche Botschaft, die in Jesus ihren Ursprung hat. Und diese Botschaft kann nicht unverständlich sein. Wenn Gott uns etwas zu sagen hat, dann will er doch verstanden werden. Wie sollte die Glaubensbotschaft unser Herz gewiss machen, wenn wir sie gar nicht verstehen könnten. Aber wie ist das nun wirklich? Glauben wir Christen an drei Götter? Oder doch nur an einen, der sozusagen in drei unterschiedlichen Masken auftritt? Und was bedeutet die Dreifaltigkeit Gottes für uns, für unser konkretes Leben im Alltag?

Im Glauben an den dreifaltigen Gott geht es darum, wie man Gottes Absolutheit mit seiner Zuwendung zur Welt vereinbaren kann. Meistens denken wir von Gott ja viel zu gering. Gott ist kein höchstes Wesen, kein Seiendes neben anderen Seienden, sondern der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Schöpfer der ganzen Wirklichkeit: Nichts kann ohne ihn sein. Er selbst ist größer als alles, was wir denken können. Gott ist der Unbegreifliche. Und als solcher wohnt er auch im unzugänglichen Licht, wie die Bibel sagt. Von der Welt her gesehen ist Gott verborgen, abwesend. Von der Welt her gesehen haben wir keinen Zugang zu Gott. Die Tür ist fest verschlossen. „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?" hatte Martin Luther verzweifelt gefragt. Man könnte auch fragen: Wie ist Gemeinschaft mit Gott überhaupt möglich?

Die Antwort, die wir Jesus verdanken und die allen Menschen zu verkünden wäre, lautet: Die ganze Welt ist aufgenommen in eine Liebe von Gott zu Gott, in die ewige Liebe des Vaters zum Sohn, die der Heilige Geist ist. Jesus nimmt uns hinein in sein Verhältnis zum Vater. Gott schenkt sich seinem Geschöpf, indem er es aufnimmt in sein eigenes dreifaltiges Leben. Nur in dieser Weise können wir Menschen mit Gott Gemeinschaft haben. Und darin erfüllen sich auch endgültig alle Verheißungen Gottes an Israel. Mehr geht nicht.
Vielleicht kann man es sich so veranschaulichen: Gegenseitige Liebe gibt es nur unter Gleichen, unter Gleichrangigen. Wenn sie zum Beispiel ein Haustier sehr gern haben, ihr süßes Meerschweinchen vielleicht, dann ist das schön und gut, aber es ist keine gegenseitige personale Liebe. Sie sind ein Mensch, und das Meerschweinchen ist eben ein Meerschweinchen. Der Unterschied ist einfach zu groß. Das gilt noch unendlich viel mehr für unser Verhältnis zu Gott. In unserer bloßen Geschöpflichkeit können wir von Gott nicht auf Augenhöhe geliebt werden. Der Unterschied zwischen dem Geschöpf und dem Schöpfer ist einfach zu groß. Wir sind endliche Geschöpfe, er ist der unendliche Gott. Als bloße Geschöpfe stehen wir zu Gott bestenfalls in einem Verhältnis von Sklaven zu einem wohlwollenden Herrscher. Der Herrscher mag noch so wohlwollend sein, aber das ändert nichts daran, dass wir ihm nicht auf Augenhöhe begegnen können. Zwischen Geschöpf und Schöpfer kann es keine gegenseitige personale Liebe geben, wenn eine solche Liebe nur unter Gleichen, unter Gleichrangigen möglich ist.
Vor diesem Hintergrund verkündet nun Jesus Gott als liebenden Vater. Jesus ist der menschgewordene Sohn, gleichen Wesens mit dem Vater und von Ewigkeit her von ihm geliebt. Der Vater liebt den Sohn im Heiligen Geist, mit göttlicher Liebe, auf Augenhöhe. Und Jesu Botschaft ist, dass wir an dieser Liebe teilhaben. Wir werden aufgenommen in diese Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn. Gott macht uns zu seinen Kindern, ihm gleichrangig, er erfüllt uns mit dem Heiligen Geist, damit er uns in göttlicher Weise lieben kann, und wir ihn, auf Augenhöhe. Darum geht es beim Glauben an die Dreifaltigkeit.

Aber ist jetzt Gott einer oder doch drei? Wir glauben selbstverständlich nur an einen Gott. Aber wir glauben, dass die eine unbegreifliche göttliche Wirklichkeit von Ewigkeit her als Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist existiert: Eine Natur in drei Personen. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind unterschiedliche Weisen der Selbstpräsenz Gottes, nämlich Relationen Gottes auf sich selbst. Gott besitzt sich selbst als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist, und dies jeweils ganz. Da gibt es keine logischen Widersprüche, aber man kann es nur im Glauben an die Offenbarung als wahr erkennen, weil es unser natürliches Erkenntnisvermögen völlig übersteigt. Und man darf dabei eines nicht vergessen: Von der Dreifaltigkeit Gottes zu sprechen ist nur dann sinnvoll, wenn es zugleich um unser eigenes Verhältnis zu Gott geht: Wir stehen gemeinsam mit Jesus vor Gott, wir werden erfüllt von seinem Heiligen Geist. Und wir folgen ihm nach auf seinem Weg bis zur endgültigen Verherrlichung.

Konkret heißt das: Gottes Liebe zu mir hängt – Gott sei Dank! – nicht von meinen Qualitäten oder Leistungen und von überhaupt keinen Bedingungen ab. Ich kann mich auf sie unter allen Umständen verlassen, im Glück und auch im Leid, im Leben und auch im Sterben. Ich habe in alle Ewigkeit mein Zuhause in Gott, nichts wird daran jemals etwas ändern. Ich kann aus einem letzten Vertrauen leben, und immer wieder neu damit beginnen. Darin wurzelt alle wahre Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes. Der Vater hört in meinem Beten die Stimme seines Sohnes. So kann ich gewiss sein, dass mein Gebet den unendlichen Gott erreicht. Und ich brauche dann auch keine weitere Antwort mehr erwarten. Beten ist selbst Antwort. Beten ist Antworten auf Gottes Wort, das mir von anderen Menschen bezeugt und zugesagt wird.
Meister Eckhart hat es einmal so ausgedrückt: „Gott hat nur eine Liebe. Mit derselben Liebe, mit der der Vater seinen eingeborenen Sohn liebt, mit der liebt er mich." Über diese göttliche Liebe kann ich nur gleichnishaft in Bildern sprechen, die aus meiner ganz persönlichen Erfahrung von mitmenschlicher Liebe stammen. Solche Erfahrungen sind vergänglich, aber sie werden zu Gleichnissen für eine unvergängliche Wirklichkeit.
Dreifaltigkeit Gottes, das Zentrum unseres Glaubens. Keine abgehobene Spekulation, sondern Ausdruck dafür, dass Gott Liebe ist, dass der Gott und Vater Jesu auch unser Gott und Vater ist. 

Amen.

 

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