Warum wird Jesus abgelehnt?

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, 7. Juli 2024

Symbol

Jesus hat in seine Nachfolge gerufen. Und er hat auch Nachfolger gefunden: Menschen, die seine Botschaft gehört und angenommen haben, Menschen, die zum Glauben gekommen sind, die das Evangelium weitergegeben und oft sogar mit ihrem Leben bezeugt haben. Ohne diese Menschen wir heute gar nicht hier sitzen. Aber Jesus wurde auch immer wieder abgelehnt. Die Ablehnung hat ihren Höhepunkt am Kreuz gefunden: Jesus wurde wegen seiner Botschaft und weil er für sie Anhänger gefunden hat von den tonangebenden Leuten in Politik und Religion ermordet. Er starb den Tod eines Verbrechers. Das sollten wir nie vergessen.

Warum wurde Jesus abgelehnt? Nun, zunächst einmal aus demselben Grund, aus dem auch die Propheten immer wieder abgelehnt wurden. Die Propheten haben die Leute und vor allem auch die Mächtigen zur Umkehr aufgerufen, sie haben die Ungerechtigkeit und Falschheit der Menschen ans Licht gebracht. Die Propheten haben das Gesetz verkündet und damit den Menschen einen Spiegel vorgehalten: „Da, schaut euch an, so seid ihr in Wahrheit! Und das, was ihr seid, ist nicht besonders schön." Gottlosigkeit, Götzendienst, Selbstgerechtigkeit, Unterdrückung: Das war die Kritik der Propheten. Und diese Kritik war nicht nur gegenüber Israel angebracht, sie trifft natürlich auch noch heute zu. Wie gottlos wir doch sind, wir fürchten uns vor allen möglichen Dingen, vor der Inflation, vor sozialem Abstieg, vor dem Klimawandel, vor der Islamisierung, vor Krankheit und Alter, aber wir haben kaum Gottesfurcht in uns. Wir vertrauen auf alle möglichen Dinge, die nicht halten können, was sie versprechen, aber Gottvertrauen, das haben wir nur wenig. Wir gaukeln uns vor, dass wir hochanständige Menschen sind. Aber das sind wir nicht. Eigentlich sind wir alle erlösungsbedürftige Menschen, gefangen in der Angst um uns selbst.

Die Kritik der Propheten ist unangenehm, sie stellt uns infrage. Sie zerbricht unsere scheinbar heile Welt, sie zerbricht unsere Selbstverständlichkeiten und rüttelt uns auf. Unsere Gewissheiten werden brüchig. Deshalb wollen wir die Propheten nicht hören, deshalb immunisieren wir uns gegenüber ihrer Kritik, deshalb lehnen wir die Propheten ab. Propheten haben kein leichtes Leben. Vielleicht kennen sie das Sprichwort: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd." Es gibt auch Pseudo-Propheten und Pseudo-Prophetinnen, die nur modische Ideologien oder Halbwahrheiten verbreiten, aber von denen rede ich hier nicht.

Jesus ist auch ein Prophet. Aber er ist zugleich unendlich viel mehr als ein Prophet. Jesus verkündet nicht nur das Gesetz, er verkündet vor allem das Evangelium. Dazu ist er ja vom Vater gesandt worden, um das Evangelium zu verkünden, den Armen, den Gefangenen, den Kranken, den Sündern, den Verzweifelten, allen Menschen. Es ist wie ein Licht in finsterer Nacht: Das Wort Gottes, durch das Gott seine Gnade und Liebe zu uns offenbar macht. Gott liebt uns nicht, weil wir gut wären, sondern weil er gut ist. Der Vater liebt uns so wie seinen eigenen Sohn, mit derselben Liebe. Diese Liebe ist der Heilige Geist. Es ist eine Liebe, die nicht von Bedingungen abhängt, sondern unveränderlich ist, ewig, eine Liebe, die ich aber auch nicht an den Zuständen der Welt ablesen kann, etwa an meinem irdischen Erfolg und Wohlbefinden. Ich kann sie auch nicht kontrollieren. Ich muss mir das Evangelium gesagt sein lassen und darauf vertrauen, immer wieder neu, ich muss immer wieder zu Jesus kommen, damit ich glauben kann, damit ich aus einem Vertrauen leben kann, das stärker ist als die Angst um mich selbst. Und ich habe keine Beweise, dass das Wort Gottes wahr ist. Ich kann die Gemeinschaft mit Gott nicht sehen oder fühlen, ich kann sie mir nicht einmal vorstellen. Für den angeblich gesunden Hausverstand war Jesus ein gewöhnlicher Mensch, der eine phantastische, aber unglaubwürdige Botschaft verkündet hat und schließlich am Kreuz gestorben ist. Das war alles.

Auch das Evangelium wollte man nicht hören, man nahm daran Anstoß. Und man will es auch heute nicht hören. Was ist schon ein bloßes Wort? Man hat sich von Jesus anderes erwartet. Der Messias musste großartiger sein, mächtiger, prächtiger, erfolgreicher, nicht so gewöhnlich. Die Menschen wollten Jesus in den Rahmen ihres Vorverständnisses einordnen. Jesus wäre dann nur noch eine Bestätigung für das, was uns wichtig ist. Das gibt es auch noch heute. Jesus, der Klimaschützer. Jesus, der Feminist. Jesus, der Verteidiger der bürgerlichen Familie. Wir alle kennen solche Projektionen. Auch heute wollen wir Jesus und seinen Anspruch einordnen, in unsere Plausibilitätsstrukturen, in unser Wertsystem. Wir wollen ihn verwenden im Sinne unserer Ziele und Zwecke. Wir wollen Gott verwenden. Das ist das Problem.

Gott ist unverfügbar, sonst wäre er nicht Gott. Wir können das Wort Gottes nicht einordnen, es ist das letzte, das umfassendste Wort über die ganze Wirklichkeit. Und so können wir Jesus, den Verkünder dieses Wortes, den Sohn Gottes, auch nicht einordnen. Vielmehr werden wir durch ihn eingeordnet. „Kehrt um, denkt um, ändert euer ganzes Sinnen und Trachten, und vertraut auf das Evangelium, auf mein Wort." So hat Jesus gesprochen. Der Glaube bedeutet eine radikale Umkehr, ein Neuwerden, eine Art Neugeburt. Nur durch Jesus wissen wir, wer wir eigentlich sind und wie Gott es mit uns meint: Sünder, die aus reiner Gnade gerecht gemacht werden, Brüder und Schwestern Jesu Christi, endliche Menschen, die von Gott unendlich geliebt sind. Das darf uns immer wieder neu aufgehen.

 

P. Robert Deinhammer SJ
7. Juli Jesuitenkirche


Bild: Javier Allegue Barros via unsplash.com


 

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