Evangelium: Markus 7, 31–37
Liebe Schwestern und Brüder, heute gibt es ein paar Teile der Predigt auch auf Englisch.
Dear brothers and sisters, some pieces of the homily today will be also in English.
The gospel of today speaks about a man who is deaf. He can't hear. And he can hardly speak. The two things are connected. During the parts when I am speaking German, perhaps you could imagine a bit this situation. Being deaf and without the ability to articulate ourselves well. That's a strange and difficult situation.
Stellen wir uns vor, plötzlich taub zu sein. Wir hören nichts mehr. Wir sehen Menschen wie sie ihre Lippen bewegen und zu uns sprechen. Aber wir hören nichts, wir verstehen nichts. Komplett taub. Das lateinische Wort dafür ist surdus. Eine gewisse Steigerung von surdus, taub, ist das Wort absurdus.
Absurdität. – Ein Mensch wandert durch die Natur, aber nichts spricht ihn an. Er sieht Wälder und Wiesen, Bäche, Blumen, Berge, alle die Schönheit Himmels und der Erde, aber all das spricht ihn nicht an. Er begegnet Menschen. Aber diese Begegnungen sagen ihm nichts. Er ist taub geworden für das Leben. Das ist eine Situation von absurdus.
To be deaf. The latin word is surdus. And related with this is the word absurdus. Something is absurd.
You are reading a book, but nothing is touching you or everything seems to be strange and without sense. You are listening to a poem, but there is no message that reaches you.
There's a beautiful love song, but it doesn´t move your heart. And every encounter with a person seems like a speechless grave. There are moments in our lives when life can seem empty, pointless, without sense, absurd.
I believe the opposite of absurd is divine.
Ich glaube, das Gegenteil von absurd ist göttlich.
Jesu legt dem tauben Mann die Hände auf und heilt ihn. Bei Gott einzusteigen, uns seinen Händen anzuvertrauen, das bedeutet, in diesen Heilungsprozess einzusteigen, in die Weitung unserer inneren Hörfähigkeit, unserer spirituellen Sensibilität. Auf das Evangelium zu hören, auf Jesus Christus zu schauen, bedeutet, in das Leben einzusteigen, immer mehr heilvoll. Vor Gott und für ihn und mit ihm können wir immer mehr zu Menschen werden, die glauben, hoffen, lieben können, Menschen, die wirklich hören, lauschen und entdecken können, die etwas Tieferes spüren können. Das uns von Gott geschenkte Leben hören und darauf antworten. Das Leben ver-nehmen und mich hinein-geben. Empfangen und schenken. Das ist göttliche Dynamik. Das ist Liebe.
The opposite of absurd is divine. There is something greater than ourselves. The meaning in our lives is a gift that we receive from another entity, from a divine authority. Jesus heals the deaf man in the Gospel. Jesus opens up new dimensions of meaning for him.
What an individual person hears throughout all the healing processes in their life is as different as fingerprints and the iris in the eye. What is important is that we listen in our own personal way and respond in our own personal way. At best, every day anew – guided by a holy spirit that surrounds us and speaks to us inwardly.
Rodolfo, Seán and Konrad have spent two years in the novitiate listening and discovering the fingerprint God has imprinted on them. Today, they express their response to this listening, before us and in a certain way also for us, because the vows they pronounce address something that is fundamental and healing for all Christians.
Rodolfo, Seán und Konrad haben zwei Jahre im Noviziat hindurch gehört, welchen Fingerabdruck Gott bei ihnen eingeprägt hat. Wir verwenden dafür drei sehr dürre Worte: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Worte die für sich vielleicht etwas seltsam klingen. Aber wir brauchen alle etwas von dem, was diese Worte nur andeuten können.
Wir brauchen die Fähigkeit und Bereitschaft zu hören, zu lauschen, zu horchen, in einem guten Sinn zu gehorchen.
Wir brauchen ein keusches Herz, das bereit ist, sich für andere zu öffnen, ohne die anderen für uns selbst haben zu wollen oder für unsere Interessen zu vereinnahmen.
Wir brauchen leere Hände, um das Leben ganz zu hören und empfangen zu können.
We all need something of what the vows point us to.
We need the ability and willingness to listen. The life that God wants for us still has a lot to tell us.
We need a chaste heart that is ready to open itself completely to others without wanting to have them for our own purposes.
We need empty hands to be able to receive life fully.
We all need something of what the vows point us to.
Beten wir für uns alle, dass das Göttliche uns immer wieder berührt wie Jesus einst den Taubstummen, damit unser Leben seinen vollen Klang entfalten kann, gut hörbar, gut ver-nehmbar, einen Klang, der uns persönlich und miteinander erfüllt.
Let us pray for Seán, Rodolfo and Konrad, for their listening and for their answering. Beten wir für die drei, für ihr Hören und ihre Antwort.
Ich bin sehr dankbar und freue mich sehr, dass Euch drei dieses Hören und Antworten in unsere Gemeinschaft der Jesuiten geführt hat und ihr mit uns diesen Weg weitergehen wollt, bereit für Gott und die Menschen. So ein Weg ist vielleicht ein wenig verrückt, aber alles andere als absurd. Vor allem aber ist er dem Leben sehr nah und Gott tief verbunden.
I am very grateful that you want to live your listening and responding in the Society of Jesus.
May God bless you.
Gottes Segen. Amen.
Provinzial P. Thomas Hollweck SJ
Foto: Bruce Hong via unsplash.com