Ein hoffnungsfroher Mensch bleiben

Predigt zum Nachlesen von P. Christian Marte SJ, 17. November 2024

Symbol

Mk 13,24-32 (Dan 12,1-3)

I.
In der Mitte des heutigen Evangeliums ist vom Feigenbaum die Rede. Wenn er blüht, wenn die Zweige saftig werden und Blätter treiben, dann wissen wir: der Sommer ist nahe. Genau so kann man erkennen, dass gerade in den schwierigen Zeiten Gott nahe ist.

Vor drei Wochen, über Allerheiligen, hat es bei uns hier in der Krypta den Trauerraum geben, eingerichtet von der Tiroler Hospizgemeinschaft. Bei der Eröffnung war die Kirche ganz voll ... viele Trauernde, die einen lieben Menschen verloren haben. Jeder von uns hat dann eine kleine Kerze nach vorne getragen und beim Altar abgestellt. Ein kleines Zeichen der Erinnerung an einen lieben Menschen. Die Liebe ist stärker als der Tod.

Gerade wenn wir an eine Grenze im Leben kommen, wenn wir nicht mehr alles im Griff haben, dann taucht die Frage nach Gott auf. Das kennen die meisten von uns wenn wir krank sind und
die Fragilität unserer Gesundheit, unseres Körpers spüren.

Wenn Dinge ins Wackeln kommen, dann suchen wir einen Haltegriff. Das Gespräch mit Gott ist so ein Haltegriff. Wenn wir die Psalmen lesen, dann ist es genau das: der Psalmist spricht mit Gott – dankt, bittet, erzählt. Das heißt für uns beten.

Tief in unserer Seele spüren wir, dass wir nicht alleine sind. Dass wir jemanden ansprechen dürfen, der größer ist als wir. Es ist hilfreich, wenn wir dieses Gespräch auch in den guten Zeiten führen. Dankbar sein, und diese Dankbarkeit aussprechen, auch im Gebet, das ist ein Königsweg zu Gott.

Das ist mein erster Punkt heute: Auch in schwierigen Tagen „dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt."

II.
Im Evangelium spricht Jesus von der großen Not: die Sonne verfinstert sich, der Mond scheint nicht mehr, die Sterne fallen vom Himmel. Das sind Zeichen des Weltuntergangs. Manchmal haben wir ja den Eindruck, dass die Welt wirklich untergeht – gerade wenn wir die vielen furchtbaren Nachrichten aus allen Teilen der Welt hören. Wie können wir als Christinnen und Christen damit umgehen? Wie können wir unsere Hoffnung bewahren?

Ein praktischer Punkt für mich ist die Reduktion des Medienkonsums. Das bewusste Zurückfahren des Konsums von Nachrichten. Möglichst keine Videos anschauen, die unsere Seele beschädigen. Das bedeutet nicht, dass wir uns aus der Welt zurückziehen. Es geht um den Fokus auf das Wesentliche, es geht um das gute Dosieren – und ums Weglassen der vielen Nebengeräusche.

Die allermeisten Medien bewirtschaften heute die Unzufriedenheit und die Angst der Menschen. Das sind nicht alle Medien, aber die allermeisten. Die Schlagzeilen und auch die Berichte werden emotionaler, damit schauen mehr Menschen zu – und so werden wir alle in den Bann von Berichten gezogen, die uns nicht gut tun.

Die bewusste Reduktion des Medienkonsums hilft uns, das Gleichgewicht der Seele zu erhalten. Sonst überfordern uns die vielen schwierigen Situationen, von denen wir aus der ganzen Welt erfahren. Man sagt sich dann: Da kann ich eh' nichts daran ändern.

III.
Und das bringt mich zum dritten Punkt.
Wir dürfen uns unsere Handlungsmacht nicht nehmen lassen, wir dürfen uns nicht lähmen lassen durch die Weltuntergänge, von denen wir hören.

Wer ein hoffnungsfroher Mensch bleiben möchte, der nützt seine Handlungsspielräume. Diese Spielräume sehen bei jedem von uns anders aus – aber jeder hat sie. Damit spüren wir, dass wir die Welt verändern können – zum Guten hin.

Ein Beispiel sind für mich die Weihnachtspakete für Gefangene, die wir jedes Jahr sammeln. Schokolade, Löskaffee, Duschgel und Zigaretten.

500 Gefangene in der Innsbrucker Justizanstalt – und jeder bekommt ein Paket. Sie werden jetzt vielleicht fragen: Ein Weihnachtspaket, verändert das die Welt? Ja, für den einzelnen Gefangenen schon. Und auch für den, der es besorgt, verpackt, hierherbringt. Weil es uns zeigt, dass wir Menschen sind und etwas Gutes tun können.

Das ist ganz auf der Linie des Heiligen Martin. Diesen Montag, am 11. November, sind die Kinder des Caritas-Kindergartens zu uns in den Jesuitengarten gekommen.
Ein Laternen-Umzug mit vielen Kindern – und ihren Eltern und Großeltern. („Ich geh mit meiner Laterne – und meine Laterne mit mir." :) ).

Dann wurde die Geschichte vom Hl. Martin gespielt, von den Kindern. Der römische Soldat Martin kommt an das Stadttor von Amiens in Frankreich und sieht einen frierenden Bettler. Er teilt seinen Militär-Mantel und gibt ihn dem Bettler. In der Nacht erscheint ihm Christus im Traum. Christus trägt den halben Mantel und sagt ihm: Dieser Bettler war ich.

Diese Martins-Geschichte zeigt ein wesentliches Fundament unserer Gesellschaft: Wir helfen einander, auch wenn jemand nicht zu unserer Familie gehört oder zu unseren Freunden. Wir helfen einander, weil wir Menschen sind.

Mit dem Feigenbaum habe ich begonnen, mit einem Tannenbaum schließe ich.

Bei uns im Jesuitengarten steht ein sehr großer Tannenbaum. Wir alle wissen, dass er nur so groß und schön sein kann, weil es ein weites und feines Wurzelwerk gibt. Dieses Wurzelwerk sieht man nicht – es trägt aber den ganzen Baum.

Das ist für mich ein Bild dafür, dass die vielen kleinen guten Handlungen zum Großen beitragen, zum gelingenden Leben für viele.

IV.

Lassen Sie uns im Gespräch bleiben mit Gott – mit Jesus, der uns nahe ist.
Versuchen wir, den Medienkonsum zu reduzieren auf das, was wirklich nötig ist.
Und nützen wir unsere Handlungsspielräume zum Guten hin.

Amen.


Bild: Daria Nepriakhina via unsplash.com

 

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