Geheiligt durch Christus – ein für alle Mal

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ, 22. Dezember 2024

Symbol

„Ich sag es Dir jetzt ein für alle Mal, Du musst dein Leben ändern, sonst ist zu spät!" „Die Gelegenheit war dahin, ein für alle Mal." „Durch die Erfahrung der Geburt seiner Tochter war er ein für alle Mal ein anderer Mensch." „Bei der Eheschließung sagen zwei Menschen ein für alle Mal ja zueinander." „Seit der Krankheit war alles ganz anders, ein für alle Mal." Wir kennen diese Redensarten aus dem Alltag. Mit ihnen drücken wir etwas Endgültiges, Definitives, Unbedingtes aus. Es geht da oft um lebenswichtige Entscheidungen oder lebensverändernde Erfahrungen. Die Dinge spitzen sich zu oder klären sich, kommen aus dem Zwielicht heraus. Oder etwas ist geschehen, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Ein für alle Mal. Auch im Hebräerbrief haben wir diese Wendung gerade gehört. „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun. Er hebt das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt, ein für alle Mal." Christus erfüllt den Willen des Vaters, er gibt sein Leben hin, er bezeugt das Evangelium bis zum Tod am Kreuz, damit wir geheiligt sind. „Geheiligt sein", das bedeutet: Vom Heiligen Geist erfüllt sein, sich in Gottes Liebe geborgen wissen, in der Taufe mit Jesus sterben und auferstehen, Anteil haben an seiner Gemeinschaft mit dem Vater.

Durch das Christusereignis geschieht etwas Endgültiges, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, und das auch nicht überboten werden kann. Alle bisherigen Opfer sind aufgehoben, die Kultpraxis wird kritisiert, etwas radikal Neues ist nun in Kraft gesetzt, der neue und ewige Bund in Jesus Christus, an dem wir im Glauben teilhaben. Man muss sich deutlich vor Augen führen wie religionskritisch die christliche Botschaft eigentlich ist. Seit Jesus ist Religion abgeschafft, zumindest wenn man unter Religion versteht, dass sich der Mensch Gottes Zuwendung und Wohlwollen selber verdienen muss, etwa durch irgendwelche Opfer oder Leistungen anderer Art. In diesem Sinn hat Karl Barth einmal gesagt: „Religion ist Unglaube; Religion ist eine Angelegenheit, man muß geradezu sagen, die Angelegenheit des gottlosen Menschen." Solche Religion gab und gibt es in vielfacher Gestalt. Und was solche Religion anrichtet, das haben wir vielleicht schon selber erfahren. Wir können es auch täglich in den Zeitungen lesen.

Wie dem auch sei, der Hebräerbrief will unser Herz gewiss machen: Ein für alle Mal sind wir durch Jesus geheiligt. Bereits im ersten Vers dieses Briefes heißt es: „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn." Der Sohn Gottes, die zweite göttliche Person der Dreifaltigkeit, nimmt eine menschliche Natur an, kommt in unser armes, schwaches Fleisch, um uns Gottes Wort in einem menschlichen Wort sagen zu können. Was hat Gott uns zu sagen? Etwas, das wir sonst nicht wissen würden, etwas, das wir nicht an den Zuständen der Welt ablesen können, auch wenn wir noch so klug und weise wären. Er sagt uns, dass er für immer bei uns ist. Wir haben Gemeinschaft mit ihm. Er liebt uns in einer Weise, auf die für immer Verlass ist. Gott hat sich in Jesus Christus ein für alle Mal mit dem Menschen verbunden, mit allen Menschen, mit Dir und mit mir, und niemals mehr will er ohne uns Menschen sein. Er ist Dein Gott in alle Ewigkeit, niemals wird er Dich verlassen.

Das gilt, auch wenn ich es nicht glauben kann, auch wenn sich in mir alles verfinstert hat, wenn meine Traurigkeit vielleicht zu einer Depression geworden ist. Ein für alle Mal hat Gott „ja" zu mir gesagt. Das gilt, auch wenn Leid oder Schuld auf mir lasten, wenn ich gefangen bin in einer scheinbar ausweglosen Situation, wenn ich mit meinen Kräften am Ende bin, wenn ich sterben muss. Ein für alle Mal hat Gott „ja" zu mir gesagt. Nicht unser Unglaube, nicht unsere Lebenslügen und Illusionen haben das letzte Wort. Nein, Gottes Liebe hat das letzte Wort. Das ist unser Trost, das ist unsere Freude, daran dürfen wir uns festhalten, jeden Tag neu.

Bald feiern wir Weihnachten, und da sollen wir uns dann wieder von ganzem Herzen freuen über die Geburt Jesu. Aber man kann sich nicht auf Kommando freuen, sozusagen mit zusammengebissenen Zähnen, da kommt nur Verkrampfung und Enttäuschung dabei heraus. Die Freude muss einem geschenkt werden, und man muss sie sich auch schenken lassen.
Bei Lukas geht es heute um diese Freude. Zwei schwangere Frauen treffen einander, Maria und Elisabeth, beide tragen neues Leben in sich. Und Johannes der Täufer hüpft schon im Mutterleib als ungeborenes Kind, weil er sich so freut über die Ankunft Jesu. Das ist eine Erzählung mit legendarischer Ausmalung, aber das Bild will die Bedeutung Jesu und seiner Mutter hervorheben. 

„Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." Maria bringt uns den Heiland zur Welt, den menschgewordenen Sohn Gottes. Ganz schlicht, ganz einfach, ganz menschlich kommt Gott auf uns zu und schenkt uns das Heil, nämlich sich selbst. Ein größeres Geschenk ist nicht denkbar, und dieses Geschenk ist auch größer als alles, was wir denken können.
Wie schön wäre es, wenn wir uns darauf neu einlassen könnten, wenn wir uns neu von Gott beschenken lassen, ihm unsere leeren Hände hinhalten! Vielleicht können wir uns dann freuen, und aus dieser Freude heraus auch anderen Menschen eine kleine Freude bereiten oder ihnen in ihrer Not ein wenig beistehen. Denn die Freude, die aus dem Glauben kommt, will weitergegeben werden. In diesem Sinn wünsche ich uns allen frohe und gesegnete Weihnachten.

P. Robert Deinhammer SJ


Bild: Yusuf Onuk via unsplash.com

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