Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

von P. Bruno Niederbacher SJ, 15. Juni 2025

Symbol

Immer wenn ich in diese Kirche eintrete, habe ich das Gefühl: Sie nimmt mich auf. Sie gibt mir Raum mit allem, was ich bin, mit allem, was mich beschäftigt. In ihr fühle ich mich auch beschützt und geborgen. Und so ist sie ein wunderbares Gleichnis für Gott.

Es ist der dreifaltige Gott. Ihm ist diese Kirche gewidmet, und wenn man die Augen zur Decke erhebt, kann man es sehen: Vorne im Presbyterium die Sonne, das unerschaffene Licht, umgeben von vier Serafim, Symbol für Gott Vater, hinten das IHS, die ersten drei Buchstaben des Namens Jesu Christi, Symbol für Gott Sohn, der Mensch wurde, und in der Mitte die Taube, Symbol für den Heiligen Geist, der die Liebe zwischen Vater und Sohn ist. Es ist also bereits der Kirchenraum selbst, der uns zu verstehen gibt, was Christentum im Kern besagt: Dass wir eingeladen sind, an dieser göttlichen Liebesbeziehung teilzunehmen. Und wenn wir uns in dieser Kirche aufgenommen und geborgen fühlen, so lässt sie uns erahnen, wie es ist, bei Gott zu sein, bei ihm zu verweilen, bei ihm zu wohnen. „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr" heißt es im Psalm 84,2. Jonathan Eduards, reformatorischer Prediger in den USA im 18. Jhdt., sagt es einmal so: „We are invited to join the charmed circle oft he Trinity itself" (aus: Alvin Plantinga, Supralapsarianism, or 'O felix culpa' 2004, 25): Wir Menschen sind eingeladen, in den zauberhaften Kreis der Trinität selbst einzutreten. Ich habe mich gefragt, wie ich in diesen Kreis eintreten könnte. Dazu habe ich ein Mantra zusammengestellt:

Abba, lieber Vater,
Christus, Sohn, Erlöser,
Heiliger Geist, unser Tröster.

Ich singe oder wiederhole diese Worte in Stille und so werde ich in den zauberhaften Kreis der Trinität hineingenommen und verweile darin. Die Worte nehmen mich hinein in seine große Gegenwart, in sein Geheimnis. Wie Piet van Breemen treffend sagt: Probleme sind dazu da, gelöst zu werden. Aber Gott ist kein Problem. Gott ist Geheimnis. Geheimnisse kann und soll man nicht lösen wollen. Ein Geheimnis darf man bewohnen. Im Geheimnis kann man daheim sein. Gott gibt mir Raum. In ihm kann ich leben, mich bewegen und sein. (Piet van Breemen, Im Geheimnis daheim. Hilfen aus der Bibel. Würzburg 2008, 20).

Im letzten Jahr war ich ein Semester lang in Washington D.C. und habe an der Georgetown University gelehrt. Am Beginn des Semesters gab es eine Art Eröffnungsfest am Institut. Ich kannte noch niemanden, fühlte mich etwas verloren, aber einer der älteren Professoren kam auf mich zu und begann mit mir zu reden. Er erzählte mir von seinem bewegten Leben. Und am Ende des Gesprächs drückte er mir dieses blaue Säckchen in die Hand. Darin befand sich eine Medaille, die er eigens hatte prägen lassen. Auf der einen Seite befindet sich die Aufschrift IHS, auf der anderen steht: DEUS SEMPER MAIOR, zu Deutsch: GOTT IST IMMER GRÖSSER. DEUS SEMPER MAIOR. Ich kannte diesen Spruch. Ein Buch des Jesuiten Erich Przywara über die Exerzitien trägt diesen Titel. Aber er hatte mich nicht weiter bewegt. Der Professor sagte, dass dieser Spruch für ihn sehr tröstlich sei. Er schenke die Medaille auch oft Menschen, die eine schwere Zeit durchmachen, eine Krise, eine Krankheit. Ich legte die Medaille auf mein Nachtkästchen, und tatsächlich: Der Gedanke, dass Gott immer größer ist, fing an, mich zu begleiten und zu trösten.

Wir sind im Raum des dreifaltigen Gottes, der immer größer ist. Und Antonín Dvořáks Credo lädt nun ein, uns im Dreivierteltakt in diesem dreifaltigen Geheimnis frei zu bewegen.

 

P. Bruno Niederbacher SJ


Bild: Reinhold Sigl

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapLinksDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Links
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS