Predigt zum Nachlesen

von P. Josef Maureder SJ, 17. Mai 2026

Symbol

1. Was tun in kritischen Zeiten?
Liebe Gläubige! Die Lesung aus der Apostelgeschichte wirft einen Blick auf die Zeit zwischen Himmelfahrt Jesu und Pfingsten. Es ist eine entscheidende Zeit für jene, die Jesus bisher gefolgt sind. Jetzt entscheidet sich, wie es weitergeht. Wir sehen die Apostel, die namentlich genannt werden, wie sie in das Obergemach gehen. Es ist der Ort, wo sie jetzt gemeinsam warten. Ein Ort der Zurückgezogenheit und der Stille. Es ist der Ort der gemeinsamen Mitte.
Gewiss hätten die Jünger nach dem Weggang Jesu zum Vater die Sache Jesu auch auf sich beruhen lassen können. Im Zweifel hätten sie sich verstreuen und wieder ihre eigenen Wege gehen können. Aber sie gehen ins Obergemach hinauf. Sie bleiben dort zusammen. Und sie widmen sich dem Gebet. Da sind die Apostel, Maria, andere Frauen und Brüder einmütig im Gebet. Es heißt, dass sie „im Gebet verharren". Es ist kein Sich-Verstecken mehr, wie nach dem Tode Jesu. Betende Erwartung prägt die Atmosphäre. Es ist Zeit der Sammlung, um dann mit dem verheißenen Beistand neu beginnen zu können.
Diese Situation hat viele Künstler zu eindrücklichen Gemälden angeregt. Es sind zwei starke Verhaltensweisen: Das Zusammenbleiben und das gemeinsame Beten. Es ist der Ursprung der ersten christlichen Gemeinde.

Was tun wir, was tue ich in kritischen, in entscheidenden Zeiten?
Ich erinnere mich an eine Schnee-Sturmerfahrung am Feuerkogel in OÖ. Wir waren Schüler, vierte Klasse Gymnasium, alle um die 14, durch einen Sturm seit drei Tagen auf der Schihütte eingeschlossen. Da beschlossen wir mit dem Lehrer, eine Sturmwanderung zu machen. Wir verliefen uns in unbekanntem Gelände. Durch den Sturm war einfach nichts zu sehen. Der Lehrer hatte zwei Regeln, die uns durchhalten ließen: Wir bleiben alle zusammen. Und wir warten im Vertrauen, wir reden nur von dem, wie man uns suchen und finden wird. Beten wollte er nicht sagen, aber natürlich haben es viele von uns getan. So wurden wir nach 2 Stunden unterkühlt, aber alle wohlbehalten gerettet.
Das Verhalten der ersten Freunde und Freundinnen Jesu will auch uns heute ermutigen: dass wir als Christen in wichtigen und kritischen Zeiten zusammenbleiben und dass wir im Gebet verharren.

2. Unsere Verbindung als Christen mit dem Ursprung neu entdecken
Damit kommen wir zum Evangelium. Es lässt uns erahnen, dass wir im persönlichen und gemeinsamen Beten wieder unserem eigentlichen Halt auf die Spur kommen. Gebeutelt in Krisenzeiten, finden wir als Christen in Gemeinschaft und Gebet wieder Halt und Richtung. So wird unser Verhältnis zum Ursprung unseres Lebens neu, zur Quelle, die Jesus Vater nennt.
Im Evangelium beschreibt Jesus sein Verhältnis zum Vater: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart... Ich habe dich auf Erden verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast... Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein". Welch eine Innigkeit zwischen Vater und Sohn! Wie eins ist Jesus Christus mit seinem Ursprung, dem Vater. Das Wort, welches das heutige Evangelium immer wieder verwendet, ist das „Verherrlichen". Gott wird im Sohn verherrlicht, kommt in ihm zum Leuchten, und der Sohn wird durch den Vater verherrlicht, leuchtet aufgrund dessen innerer Gegenwart. Genau das kann uns trösten und stärken: Dass in diesem Jesus von Nazareth, der sich in der Auferstehung als der Christus erwiesen hat, Gott unter uns sichtbar und erlebbar geworden ist. Gott in ihm und er in Gott.

Etwas davon kann auch uns geschenkt werden, wenn wir uns gemeinsam sammeln und im Gebet verharren. Dass auch wir berufen und befähigt sind, Christus in uns zum Leuchten zu bringen und dass er selbst in uns leuchtet. Wieder verwendet Jesus das Wort „Verherrlichen". „In ihnen bin ich verherrlicht".... Wir haben alle Erfahrungen von strahlenden Menschen, vielleicht gehören wir manchmal sogar selbst dazu. Es gibt diese Menschen, die von innen leuchten, weil sie etwas Wunderbares erfüllt, etwas Göttliches in ihnen lebt. Wenn Jesus Christus uns ergreift und erfüllt, dann kann so etwas Besonderes zum Leuchten kommen. Christus färbt gleichsam auf uns ab: Im Leben, Sprechen, Handeln, Lieben und Leiden. „In ihnen bin ich verherrlicht"... so bestätigt der Herr im Evangelium. Das ist tröstend, gibt Mut und Zuversicht!

3. Unser Verhältnis als Christen zur Welt neugestalten
Schließlich können wir aus solchen Zeiten des Rückzugs und der Sammlung Einsicht und Kraft gewinnen, um unser Verhältnis zur Welt neu zu gestalten. Jesus sagt, wir „sind in der Welt... in die Welt gesandt", „aber nicht von der Welt". Wir dürfen, wir sollen anders sein, weil wir uns in diese Welt nicht verhaken, uns nicht an Irdisches klammern und anketten. Gott gebe es, dass wir frei sind von dem, was vergeht und Halt finden in dem, was bleibt.
Auch wir Schüler am Feuerkogel haben nach der Sturmerfahrung anders gelebt: etwas reifer, erwachsener, zufriedener. Wenigstens ein paar Tage.
Und so schließt Jesus mit drei großen Bitten für die Seinen, für uns alle:
Dass wir in Gottes Namen bewahrt werden / Dass wir vor dem Bösen bewahrt werden / Dass wir geheiligt, geformt werden in der Wahrheit, durch sein Wort.

Liebe Schwestern und Brüder, in kritischen Zeiten zusammenbleiben und im Gebet verharren! Das regen die heutigen Lesungen an. Dann entdecken wir auch neu unsere Verbindung mit Gott und wir können unser Verhalten in dieser Welt neu gestalten. Gott selbst will uns im Guten bewahren. AMEN.

P. Josef Maureder SJ


Bild: Jametlene Reskp via unsplash.com

 

 

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