Gebet im christlichen Sinn: Beten im Namen Jesu

von P. Robert Deinhammer SJ, 27. Juli

Symbol

Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Die Kraft des Menschen ist das Gebet. Beten ist Atemholen aus Gott; beten heißt, sich Gott anvertrauen." Und der deutsche Dichter Novalis meinte: „Durch Gebet erlangt man alles. Gebet ist eine universelle Arznei." Haben wir davon eine persönliche Erfahrung? Sicher, wir würden wahrscheinlich zustimmen: Das Gebet ist wichtig, es gehört zum Christsein notwendig dazu. Ein Christ der niemals betet, ist kein glaubender Christ. Aber wir haben doch auch manchmal Schwierigkeiten mit dem Beten. Wie soll man das überhaupt machen? Und warum sollen wir eigentlich beten? Ist Beten eine Art Maßnahme, um Gott zu beeinflussen und um irgendwelche Wünsche von ihm erfüllt zu bekommen? „Gebet ist Sprechen mit Gott", sagt man meistens. Aber hört mich Gott wirklich? Normalerweise bekommt man ja keine Antwort auf das Gebet. Und dann kann es einem so gehen, wie wenn man in ein Telefon hineinspricht, bei dem die Leitung tot ist. So wird Gott zur rätselhaften Sphinx. Der große Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant meinte, dass das Beten im üblichen Sinn ein abergläubischer Wahn sei. Wenn das wahr wäre, sollte man das Beten lieber bleiben lassen.

Vermutlich haben nicht nur wir Menschen der Gegenwart Probleme mit dem Beten. Die Jünger bitten Jesus: „Herr, lehre uns beten!" Das setzt doch voraus, dass das rechte Beten schon damals gar nicht so selbstverständlich war. Gott sei Dank gibt es Hilfe: Jesus Christus ist der Lehrer des Glaubens, und er ist auch der eigentliche Lehrer des Gebets. Jesus gibt uns das Vater-Unser, das Gebet aller Gebete. Und er macht mithilfe von anschaulichen Gleichnissen deutlich, dass wir voll Vertrauen und Zuversicht beten dürfen. Ich kann im Gebet alles sagen, ich kann sagen, was ich mir wirklich denke, ich muss mir kein Blatt vor den Mund nehmen, Gott hört mich, Gott versteht mich, Gott erfüllt meine tiefste Sehnsucht. In drei Punkten möchte ich ein wenig auf die Eigenart christlichen Betens eingehen:

1) Gebet als Antwort. Traditionell wird Beten als „Sprechen mit Gott" definiert. Aber genauer müsste man sagen: Christliches Gebet ist Antwort, nämlich Antworten auf das Wort Gottes. Nicht wir müssen einen Dialog beginnen und dann auf eine Antwort Gottes warten. Gott hat als Erster den Dialog begonnen, er hat uns in Jesus Christus sein gutes Wort gegeben, er spricht uns auch heute noch in der Verkündigung des Evangeliums an. Unser Gebet kann nur Antwort darauf sein, und die Antwort kann und wird je nach Mensch ganz verschieden aussehen. In jeder Lebenssituation dürfen wir uns immer wieder neu auf das einlassen, was uns Gott schon längst zuvor in Jesus mitgeteilt hat. Er hat uns mitgeteilt, dass er uns mit einer Liebe annimmt, die größer ist als alles, was wir uns vorstellen können. Das sagt uns das Wort Gottes von Jesus her. Dieses Wort wird nur im Glauben als wahr erkannt, indem man es sich gesagt sein lässt und darauf vertraut. Und das Gebet ist notwendig, um in der Grundhaltung des Glaubens leben zu können. Gebet ist antwortender Glaube. Zuerst Hören und dann Antworten, darum geht es beim Gebet.

2) Gott hört in unserem Beten die Stimme seines Sohnes. Gott lehrt seine Jünger und damit auch uns das Vater-Unser zu beten. Gott ist der Vater Jesu. Aber durch Jesus wird Gott auch unser Vater. Die alles bestimmende Wirklichkeit, der unbegreifliche Gott kommt uns ganz nahe, schenkt uns Gemeinschaft mit sich. Wir werden hineingenommen in die ewige Liebe des Vaters zum Sohn, die der Heilige Geist ist, wir bekommen Anteil an der Beziehung Jesu zum Vater. Als Glaubende beten wir immer im Namen Jesu, wir beschließen unsere Gebete mit der Bitte, dass Jesus sie vor den Vater tragen möge, wir beten in und durch Christus. Unser Gebet wird also einbezogen in das Gebet des menschgewordenen Sohnes. Und so hört der Vater in unserem Beten die Stimme seines Sohnes. Deshalb können wir gewiss sein, Gott mit unserem Gebet zu erreichen. Wäre das Gebet nur unser eigenes geschöpfliches Wort, dann bliebe ihm Gott unzugänglich. Daran sollten wir immer denken, wenn wir das Vater-Unser beten, vielleicht auch einmal ganz langsam, jedes Wort dabei meditierend.

3) Beten im Namen Jesu wird immer erhört. Manchmal ist man vielleicht enttäuscht, dass Gott eine dringende Bitte scheinbar nicht erhört. Aber für Jesus gibt es gar kein nicht erhörtes Gebet: „Bittet und es wird euch gegeben, sucht und ihr werdet finden. [...] Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten." Das, worum man in jedem christlichen Gebet bittet, ist Jesus zufolge der Heilige Geist. Wir beten um Gott selbst, um die Gemeinschaft mit ihm. Und diese Bitte wird deshalb unfehlbar erhört, weil Gott verborgen schon immer bei uns ist. Im Gebet öffnen wir uns dafür, dass wir in Gottes Liebe geborgen sind. Alles andere in der Welt bekommt dadurch erst seine letzte Bedeutung. Auch das Brot, das wir uns normalerweise selbst erarbeiten, wird dann als Gottes gute Gabe verstanden. Das Gebet verändert uns selbst und unsere ganze Welterfahrung. Im Glück und im Leid können wir uns an Gott wenden. Wer so um den Heiligen Geist betet, beginnt mit Ignatius von Loyola, „Gott in allen Dingen zu finden." Diese Weise des Gebetes bedeutet, dass über das ausdrückliche Beten hinaus unser ganzes Leben zum Lob Gottes wird. Alles, was wir mit ganzem Herzen und mit gutem Gewissen und damit dankbar tun können, wird zum Lobpreis Gottes.

Drei Punkte zum Gebet im christlichen Sinn: Gebet als Antwort, Gott hört in unserem Beten die Stimme seines Sohnes, Beten im Namen Jesu wird immer erhört. Und vergessen wir nicht: Das Wichtigste ist, dass man mit dem Herz betet. Amen.

P. Robert Deinhammer SJ


Bild: Jiunn-Yih Lau via unsplash.com

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapLinksDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Links
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS