Ohne Erbsünde Empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria

Predigt zu Mariä Empfängnis von P. Bernhard Bürgler SJ, 8. Dezember

Symbol

Wissen tu ich es nicht. Aber ich nehme an, Maria hat sich ihr Leben anders vorgestellt, als es sich dann entwickelt hat. Sie ist ja auch sichtlich überrascht über die unerwartete Wendung, die es nimmt.

Für sie als junge jüdische Frau der damaligen Zeit war das Leben im Großen und Ganzen vorhersehbar. Es wird sich, davon konnte / musste sie ausgehen, in ihrem Dorf und im Haus ihres künftigen Ehemannes abspielen. Früh verlobt und verheiratet wird sie Kinder gebären und aufziehen und den Haushalt der Familie besorgen. Mutter und Hausfrau, das werden die Rollen sein, die sie einnehmen wird. Die damit verbundenen Aufgaben waren damit auch klar: Wasserschöpfen, Kochen, Weben, Nähen, Putzen, Mithelfen in der Landwirtschaft, im Stall und auf dem Feld.

Doch es kam anders. Ganz anders.

Dass etwas anders kommt als vorgesehen, als gedacht, als geplant, das, so nehme ich mal an, kennen auch sie. Das haben sie, in der einen oder anderen Form, sicher schon erfahren.
Etwas tritt / bricht ein ins Leben – ein notwendiger Umzug in eine andere Stadt oder in ein anderes Land, eine Trennung oder Scheidung, ein Unfall oder eine schwere Erkrankung – die eines Angehörigen oder eine eigene, der Tod eines nahestehenden Menschen, eine Naturkatastrophe eine wirtschaftliche Krise, Krieg.
Das Leben wird auf den Kopf gestellt.
Nichts ist mehr wie vorher.
Ein Wendepunkt.

Das Leben ist unverfügbar.
Ungeplantes, Unerwartetes, Überraschungen – große, aber auch kleinere, angenehme / freudige und schmerzliche / leidvolle – es ist, ob wir es wollen oder nicht, Teil unseres Lebens.

Wie reagiere ich, wenn so etwas geschieht?
Wie reagiere ich, wenn das Leben plötzlich eine unvorhergesehene Richtung nimmt?
Und, was ist wichtig im Umgang damit, dass Neues möglich wird, dass Wachstum geschehen kann, dass sich vielleicht sogar Wille Gottes verwirklichen kann?
Welche Haltungen, welche Schritte braucht es?

Für die Beantwortung dieser Fragen, finde ich, lohnt sich ein Blick auf Maria, ein Blick auch auf die Erzählung, die wir heute als Evangelium gehört haben.
Auch wenn es sich nicht ganz so, wie es dasteht, zugetragen hat, kommt Wichtiges zum Ausdruck.

Das erste, was von Maria berichtet wird, ist, dass sie erschrickt.
Sie erschrak ...
Diese Reaktion ist mehr als nachvollziehbar.
Gefühle von Erschütterung, Verwirrung, Kontrollverlust, von Angst, Trauer, Wut können da sein, auch alles gleichzeitig. Sie sind da, wenn Unvorhergesehenes plötzlich in unser Leben hereinbricht.
Es gilt sie, so gut es geht, zuzulassen, sie auszuhalten.
Zunächst.

Dabei bleibt Maria aber nicht stehen.
Sie überlegte ...
Sie überlegte, heißt es, was das bedeutet.
Maria bleibt im Erschrecken nicht stecken. Sie wird auch nicht sofort aktiv. Sie hält inne. Sie denkt und fühlt nach, was das wohl heißt.
In solchen Situationen sind wir oft in Gefahr, entweder im Erschrecken zu verharren oder gleich und damit zu schnell aktiv zu werden, ins Tun zu kommen. Zunächst gilt es das, was das Geschehene in mir auslöst, wahrzunehmen und, zumindest anfanghaft, zu erspüren, was das nun heißen könnte. Zu schnelles Agieren kommt oft aus dem verständlichen Bedürfnis, das Leben schnell wieder in den Griff zu bekommen. Es kann uns in eine falsche Richtung führen. Im Innehalten zeigen sich oft andere, passendere, bessere Wege.

Wie soll das geschehen?
So fragt Maria dann.
In dieser ihrer Frage ist spürbar, dass sie sich nicht prinzipiell gegen das Neue stellt, es nicht von vorneherein ablehnt. Allerdings, sie kann sich nicht vorstellen, wie das geschehen soll.
Unsere grundsätzliche Bereitschaft, uns auf die unerwartet eingetretene Situation einzulassen ist wichtig. Wenn sie gegeben ist, braucht es immer noch Zeit, bis sich ein neuer Weg auftut. Und es braucht Zuversicht und Vertrauen, dass er sich schon zeigen wird, nach und nach. Und dass es schlussendlich gut werden wird.

Schließlich sagt Maria Ja.
Mir geschehe, wie du es gesagt hast.
Es ist ein großer Schritt, den sie damit macht.
Ohne genau zu wissen, was die Zukunft bringt, was von ihr abverlangt wird, stimmt sie ein. So stellt sie sich dem Wirken Gottes nicht entgegen, vielmehr schafft sie die Voraussetzung, dass sein Wille geschehen kann.
Es ist wichtig, dass auch wir in den Wendungen unseres Lebens irgendwann zu einem solchen Ja kommen. Damit verabschieden wir uns von Erwünschtem, Geplantem, Vorgesehenem, lassen es zurück und beginnen Neues.
Einstimmen in das, was mir im Leben begegnet, was es mir zumutet, was es mir auferlegt. Das geht meist nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit, das selbst ist schon ein Weg. Dadurch kann sich etwas Unerwartetes auftun. Ich kann, allmählich, erfahren, dass volleres Leben entsteht. Ich kann vielleicht sogar den Ruf erkennen, der durch das Geschehene an mich ergangen ist.
Der Sinn des Geschehenen ist oft nicht sofort erkennbar, er muss sich zeigen. Erst im Rückblick sieht man oft, dass Überraschungen, auch schmerzliche Überraschungen etwas bewirkt haben. Nicht weil sie gut waren, sondern weil sie Wachstum ausgelöst und ermöglicht haben.
Voraussetzung dafür ist unser Ja.

Liebe Schwestern und Brüder,
Gott spricht zu uns durch die Wirklichkeit.
Gott spricht zu uns durch das Leben, durch das, was geschieht / passiert, was uns geschieht / passiert.
Ich glaube, es ist auch die Weise, wie Gott uns in das Licht des Anfangs heben will / hebt, wie er uns zurückführt zum Ursprung. Wie wir zu dem werden, der wir eigentlich sind.
Was es braucht, was er braucht, ist unser Ja dazu.
Unser Zustimmen, unser Einstimmen.

Maria ist uns Vorbild darin.
Auf sie können wir schauen, an sie können wir uns wenden, sie können wir anrufen, auf unserem Weg.

Amen.

 

P. Bernhard Bürgler SJ


Bild: Muttergottes von Foya, Seitenaltar der Jesuitenkirche, Foto von Reinhold Sigl

 

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