BLABABELS von Ronald Kodritsch

Eine Meditation von P. Bruno Niederbacher SJ am Aschermittwoch, 18. Feber 2026

Symbol

Kunstwerke laden ein, innezuhalten, zu betrachten, sie zu sich sprechen zu lassen. Manche Gemälde haben mich so in ihren Bann gezogen, dass ich immer wieder zu ihnen zurückkehrte, um lange vor ihnen zu verweilen. Und sie begannen, Wahrheiten zu offenbaren, über sich und mehr noch über mich: über meine Sehnsüchte, meine Träume, meine Fragen.

In dieser Fastenzeit sehen wir am Hochaltar ein Gemälde von Ronald Kodritsch, das er „BLABABELS" nennt. Alle, mit denen ich bisher über dieses Gemälde gesprochen habe, sahen darin Sprechblasen. Manchen ist aufgefallen, dass sie leer sind, und sie haben moralische Schlüsse daraus gezogen: Von allen Seiten werde auf einen eingeredet. Dabei handelt es sich oft um leeres Gequatsche, Blabla eben. Wie viele Worte blieben besser ungesagt! Wie viele sind nur Schall und Rauch! Wortfasten sei an der Zeit. Andere haben bemerkt, dass es viele Sprechblasen gibt, die zum Teil verschiedene Farben haben. Auch sie haben ihre Lektion daraus gezogen: Es gebe viele Meinungen, die Ansichten über Gott und die Welt seien bunt und vielfältig, man solle sich nicht abschotten und in einer Filterblase, einer Bubble, einschließen, sondern die anderen Meinungen zumindest einmal anhören und erwägen.

Da das Gemälde im religiösen Raum hängt, hat es in mir noch andere Assoziationen geweckt. Ich betrachtete es zunächst von unten nach oben. Die leeren Sprechblasen kamen mir wie Luftblasen vor, die aufsteigen. Ich fühlte mich wie ein Taucher, der in der Tiefe der Gewässer umherstreift und seine Luftblasen aufsteigen lässt („Aus der Tiefe rufe ich zu dir." Ps 130) – ein Bild für meine Kommunikation mit Gott. Ich atme ein, ich atme aus, ich spüre den Atem, ich spreche nicht, sondern lasse einfach meine Luftblasen Gott entgegensteigen – dem verborgenen Gott, der das Verborgene sieht und versteht. Atmen als Beten.

Dabei hat mein Ausatmen manchmal die Form eines Seufzers angenommen. Aus den Luftblasen sind Seufzblasen geworden, und mir kam ein Wort des Heiligen Paulus in den Sinn, der einmal schrieb: „Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen. Der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können." (Röm 8,26) Auch Jesus pflegte diese Art des Betens. Bevor er den Menschen, der taub und stumm war, heilte, blickte er zum Himmel auf und seufzte (Mk 7,34). Es müssen also keine klar artikulierten Gedanken und Worte sein, auch keine fertigen Gebetsformeln. Manchmal ist Seufzen das passende Gebet.

Dann fühlte ich mich durch die leeren Sprechblasen eingeladen, mir Worte zu überlegen, die ich gerne hineinschreiben möchte. Vielleicht ist es einfach ein fettes „DANKE!" nach einem erfüllten Tag. Vielleicht ist es eine Frage, die ich Gott stellen möchte. Vielleicht ist es ein ratloses „HILFE!", wenn ich mit meinem Latein am Ende bin. Welche Worte möchten Sie hineinschreiben? Auch heuer gibt es wieder die Gelegenheit, sich Worte von der Seele zu schreiben und sie ins Stahlgitterkreuz einzuwerfen, das sich hinten in der Franz Xaver Kapelle befindet.

Ich habe also das Gemälde so betrachtet, dass es auch meine Sprechblasen sind, die von unten nach oben aufsteigen. Dann ist mir eingefallen, dass ich das Fastentuch auch von oben nach unten betrachten kann. Was kommt mir da von oben entgegen? Auch hier sind die Blasen oft leer, und ich lausche einfach in die Stille hinein. Tomas Sjödin hat ein gutes Buch geschrieben: „Wenn Stille eine Sprache wäre. Wie wir die Verbindung mit unserem Schöpfer wiederfinden". Stille als Gottes Sprache. Man bekommt Lust, in dieser Stille zu verweilen, denn sie allein ist schon eine Offenbarung. Vielleicht kommt uns aber auch ein Wort wie aus einer Wolke entgegen, ein aufmunterndes Wort: „DU BIST MEIN GELIEBTES KIND", oder „ICH BIN DA", oder „FÜRCHTE DICH NICHT", „DEN GLIMMENDEN DOCHT LÖSCHE ICH NICHT AUS." Vielleicht ein nachdenkliches Wort, wenn ich mich überheblich fühle: „BEDENKE, MENSCH, DASS DU STAUB BIST..." Vielleicht ein einladendes Wort, wieder einmal neu anzufangen: „KEHRE UM UND GLAUBE AN DAS EVANGELIUM."

So führt dieses Gemälde zu leisen Dialogen mit der Ewigkeit. Ich lasse meine Sprechblasen aufsteigen und warte, was mir entgegenkommt. Und vielleicht ist es am besten, wenn ich mit dem Sprechen aufhören und im seligen Schweigen bei Gott verweilen kann.

P. Bruno Niederbacher SJ

 

 

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