Predigt zum Ostersonntag

von P. Bruno Niederbacher SJ, 5. April 2026

Symbol

Die Glaubensgeheimnisse des Christentums erscheinen vielen kompliziert: Dreifaltigkeit, Inkarnation, wahrer Gott und wahrer Mensch, Erlösung der Menschheit durch den Kreuzestod eines Menschen, der vor 2000 Jahren gelebt hat, Auferstehung der Toten... Schwer verständlich. Gibt es nicht einfache Zugänge? Ich meine: Ja. Von zweien möchte ich euch heute erzählen.

Wenn ich nicht durchblicke, stelle ich mir die Frage: Womit fängt Christentum eigentlich an? Christentum fängt am Grab eines geliebten Menschen an. „Maria stand draußen vor dem Grab und weinte." (Joh 20,11). Wer kennt das nicht? Wir stehen am Grab eines geliebten Menschen und weinen. Wir fühlen uns beraubt, wir spüren die Leere, die ein Grab hinterlässt, wir klagen mit Maria von Magdala: „Sie haben meinen Herrn weggenommen..." (Joh 20,13), meinen Vater, meine Mutter, meinen Bruder, meinen Gatten, meine Gattin, mein Kind... Wir wollen sie zurückhaben, weil wir sie brauchen, weil wir nicht wissen, wie wir ohne sie leben können. „Ich werde ihn holen" (Joh 20,15), sagt Maria entschieden. Wir klammern uns an die sterblichen Überreste, an das, was dieser Mensch für uns war, wir fühlen den Schmerz, dass es nie mehr sein wird wie früher. Verzagt und verwirrt sagt Maria: „Ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat." (Joh 20,13) „Ich weiß nicht..." Am Grab eines geliebten Menschen wissen wir Vieles nicht. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, was aus den Verstorbenen wird, was aus uns wird. So gesehen ist Christentum nicht schwer verständlich. Nein. Es beginnt mit einer Erfahrung, die wir früher oder später alle machen. Es beginnt an einem Grab.

Tränen, Trauer und Ratlosigkeit sind aber nicht alles, was ich am Grab eines geliebten Menschen erlebe. Mit der Zeit fange ich an zu denken:

Und plötzlich denke ich nicht mehr über ihn oder über sie nach. Plötzlich gehe ich über zum Du: „Das hätte dir gefallen." „Was würdest du jetzt tun?" Und ich erzähle, wie es mir geht, was mich umtreibt. Ein persönliches Gespräch entwickelt sich. „Maria." „Rabbuni." (Joh 20,16) Ich fange an, mit der geliebten Person zu reden, ich frage sie um Rat, ich bitte um Entschuldigung für Taten, die unversöhnt geblieben sind, und fühle mich von ihr behütet. Ich habe jemanden, der auf mich mich aufpasst, denke ich. Nein, Ostern ist nichts Elitäres. Ostern ist ganz nahe. Es ist in jedem Herzen, das geliebt hat.

Man kann diese Erfahrung als Wunschdenken abtun, als Opium gegen den Schmerz. Ich aber nehme sie als Zeichen: Kann diese Erfahrung nicht ein Grund sein, an ein Leben nach dem Tod zu glauben? „Ich glaube, weil ich bete," soll Karl Rahner einmal gesagt haben. Die Praxis kommt manchmal zuerst, und der Glaube stellt sich mit der Zeit ein.

Maria von Magdala erfährt am Grab Jesu: „Er ist nicht tot. Er geht uns voraus zu seinem Vater und zu unserem Vater, zu seiem Gott und zu unserem Gott." Und auch die anderen Jünger:innen kommen zur Überzeugung: „Er ist in Gottes Leben eingegangen, er ist zum Vater hinübergegangen, und doch ist er neu unter uns da. Er segnet uns. Er geht mit uns bis ans Ende der Welt."

Mein zweiter Zugang ist eine Übung, die ihr einmal ausprobieren könnt: „Lumen Christi", „Licht Christi", haben wir heute früh in die Dunkelheit hineingesungen. Jesus Christus kommt zu den Jüngern, die im Dunkel eingeschlossen sind, und verbreitet dort Licht. Es ist ein Licht der Versöhnung, des Friedens. „Schalom" ist sein erstes Wort. Ich stelle mir dieses Friedenswort wie ein Licht vor, ein kräftiges und zugleich mildes Licht, ein gutes Licht. In der Stille stelle ich mich in dieses Licht. Manchmal erlebe ich dann, dass ich mich öffnen kann. Dass meine Seele offen daliegt, dass ich Jesus ehrlich zeigen kann, was es alles in mir gibt, das Schöne und das Schwierige, das sich oft stärker aufdrängt:

Dem Auferstandenen begegnen – das kann so gehen, dass wir uns in der Stille in dieses Licht stellen. Dafür braucht es keinen starken Glauben. Suchend, offen und neugierig sein, reicht. Dann kann Versöhnung beginnen, Erlösung, die Wirkungen der Auferstehung. So ähnlich hat es der Komiker Hanns Dieter Hüsch auch einmal ausgedrückt:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

P. Bruno Niederbacher SJ


Bild: Maria Magdalena im Kreuzgang am Brixner Dom

 

 

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